"Die Exportwirtschaft muss die Mittel wirksam einsetzen"
- Datum:
- 11.06.10
Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner möchte besonders kleine und mittlere Unternehmen bei der Erschließung neuer Absatzmärkte unterstützen, wie sie im Interview mit der Lebensmittel Zeitung betont.
Frage: Frau Aigner, Sie haben im Vorfeld des Außenwirtschaftstages betont, gerade kleine und mittlere Unternehmen unterstützen zu wollen, neue Märkte zu erschließen. Was schwebt Ihnen dabei konkret vor?
Aigner: Die Exportförderung kann nur dann ihre volle Wirkung entfalten, wenn man sich die aufnahmefähigen Zielmärkte vorher genau anschaut und eine wirkungsvolle Exportstrategie erarbeitet. Dabei muss ein umfangreicher, aufeinander abgestimmter Mix an Maßnahmen und Instrumenten des Exportmarketings herauskommen. Mein Schwerpunkt ist dabei ganz klar: Die Steuergelder, die wir hier einsetzen, müssen ihre größtmögliche Wirkung entfalten – vor allem im Hinblick auf den deutschen Arbeitsmarkt.
Frage: Wie sieht der angesprochene Mix an Maßnahmen aus?
Aigner: Neben einer Veranstaltung wie dem Außenwirtschaftstag, Unternehmerreisen oder der Erstellung von Marktstudien gehört die Messeförderung zu einem der wichtigsten Instrumente meines Hauses. Wir haben 2010 das Auslandsmesseprogramm erweitert und werden das 2011 fortsetzen. Im kommenden Jahr sind knapp 40 Beteiligungen an internationalen Weltleit- und Fachmessen geplant.
Frage: Zuletzt konnten deutsche Unternehmen besonders stark in Drittländern zulegen. Wo sehen Sie derzeit die besten Chancen?
Aigner: Eine wesentliche Aufgabe der Exportförderung meines Ministeriums besteht darin, Türen zu öffnen. Potenzial sehe ich dabei vor allem auf den Märkten in Ost- und Südostasien, Mittel- und Lateinamerika. Auf Wachstumsmärkten mit großem Nachfragepotenzial wie in China, Vietnam, Thailand und Indien konnten 2009 beachtliche Absatzsteigerungen erzielt werden. Allerdings müssen wir mit diesen Ländern noch zahlreiche Handelshemmnisse abbauen. Dabei sind die Verhandlungen über EU-Freihandelsabkommen für die Öffnung des indischen sowie weiterer asiatischer Märkte von zentraler Bedeutung.
Frage: Exportschwerpunkt wird aber auch weiterhin der europäische Binnenmarkt sein.
Aigner: Natürlich. Gerade viele kleine Unternehmen machen ihre ersten Exporterfahrungen auf unseren Nachbarmärkten. Dabei müssen wir sie genauso unterstützen wie beim Eintritt in Drittlandsmärkte.
Frage: Welche Rolle wird dabei die Euro-Krise spielen?
Aigner: Wechselkursverhältnisse spielen nur außerhalb der Eurozone eine Rolle. Es bleibt aber abzuwarten, wie sich die zum Teil dramatische Lage der öffentlichen Haushalte einiger EU-Staaten auf die Kaufkraft der Bürger dort auswirkt. Im Exportgeschäft mit Drittstaaten kommt der Wertverlust des Euro gegenüber dem Dollar der Wettbewerbsposition unserer Unternehmen zu Gute. Gesamtwirtschaftlich betrachtet haben wir jedoch Interesse an einem stabilen Euro und langfristiger Währungsstabilität.
Frage: Ihr Ministerium hat nach dem Aus der CMA die Aufwendungen deutlich erhöht…
Aigner: …was richtig und notwendig war. Wir haben dafür 2009 zusätzliche Haushaltsmittel bereitgestellt. Es ist nun Aufgabe der Wirtschaft, Exportschwerpunkte abzustimmen und die Mittel wirksam einzusetzen. Insgesamt stehen für die Außenwirtschaftsförderung in diesem Jahr 10,5 Millionen Euro zur Verfügung. Ich gehe jedoch fest davon aus, dass die Wirtschaft in den kommenden zwei bis drei Jahren ihre Verantwortung für die Exportförderung weitgehend selbstständig wahrnehmen wird.
Frage: Mit der Gefa ist eine Nachfolgeorganisation gefunden, die allerdings noch immer im Aufbau befindlich ist. Wie zufrieden sind Sie damit?
Aigner: Die Gründung der Gefa war nicht ganz einfach. Ich denke aber, dass wir inzwischen auf einem guten Weg sind.
Frage: Das klingt, als seien Sie weiter geduldig.
Aigner: Die deutsche Agrar- und Ernährungswirtschaft finanziert das Exportmarketing ja bereits jetzt schon kräftig aus eigener Tasche mit. Wir greifen den Unternehmen und Verbänden lediglich unter die Arme – momentan noch etwas stärker. Wir werden diese Hilfe Schritt für Schritt reduzieren.
Quelle: Ausgabe der Lebensmittel Zeitung vom 11. Juni 2010
- Interview mit:
- Bundesministerin Ilse Aigner
- Fragen von:
- Ute Schmidt (Lebensmittel Zeitung)

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