Eröffnung der Internationalen Pflanzenmesse 2010
- Datum:
- 26.01.10
- Ort:
- Essen
- Redner:
- Bundesministerin Ilse Aigner
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Ich freue mich, Sie erneut als Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz auf der Internationalen Pflanzenmesse 2010 begrüßen zu dürfen. Bereits im vergangenen Jahr durfte ich die beeindruckende Vielfalt dieser Messe erleben. Das hat mir die Zusage für den heutigen Tag leicht gemacht. Der Winter ist im Agrarbereich ja bekanntlich die Zeit der Tagungen, Messen und Ausstellungen. Ich nenne nur die DLG-Messen in Hannover, die Grüne Woche oder die Fruit Logistica.
Hier reiht sich auch die jährliche Internationale Pflanzenmesse (IPM) ein. Es sind Leistungsschauen und gleichzeitig Trendbarometer für das anstehende Jahr. Es sind Plattformen zum Austausch der besten Ideen für die Zukunft. Für die IPM heißt das Innovationen auf hohem Niveau und die Ahnung von Frühling bereits mitten im Winter. Nicht umsonst sind Frühlingsblumen die Träume des Winters.
Und wenn wir an Gärten als die wohl gelungenste Verbindung von Natur und Kultur denken, wo ist diese Messe dann besser aufgehoben als in Essen? Die Stadt und die Region warten wirklich mit einem bunten Strauß an kulturellen Höhenpunkten auf.
Man kann also ganz zu Recht sagen: Mit der Internationalen Pflanzenmesse am Anfang des Jahres blüht die Kulturmetropole "Ruhr 2010" auf.
Meine Damen und Herren, die IPM und der Gartenbau insgesamt lassen sich mit drei Eigenschaften beschreiben: international, innovativ und vielfältig.
Wer gemeinhin an Gärten denkt, hat das Bild der Gartengrundstücke am Eigenheim, der Parzellen in den Gartenkolonien oder den Floristik- und Gartenfachbetrieb um die Ecke vor Augen.
Längst ist aber der gesamte Gartenbau international aufgestellt und global vernetzt. Wir befinden uns im Zeitalter der globalisierten Arbeitsteilung. Das zeigt sich auch bei dieser Messe mit ihren Ausstellern aus über 40 Ländern.
Mein besonderer Gruß gilt daher allen Gästen aus dem Ausland. Allen voran den Gästen aus der Ukraine als dem Partnerland des Osteuropa-Forums. Ein besonderer Gruß auch an die Vertreter Südafrikas, die zum ersten Mal an der Internationalen Pflanzenmesse teilnehmen.
Für den deutschen Gartenbau heißt es angesichts der weltweiten Vernetzung, sich auf den Märkten zu behaupten.
Deshalb setze ich mich weiter dafür ein, Deutschland als attraktiven Produktionsstandort für einen nachhaltigen Gartenbau zu erhalten. Die Bundesregierung will und wird dazu beitragen, dass die Branche gute Zukunftschancen hat.
Das bedeutet auch, dass die Bundesregierung Verantwortung gezeigt hat, um die Folgen der Wirtschaftskrise für die Unternehmen abzumildern. Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz soll die deutsche Wirtschaft wieder auf ein solideres Fundament stellen.
Wachstumsbremsen werden beseitigt und die Investitionsbereitschaft gestärkt. Unser Verständnis von Wirtschafts- und Finanzpolitik als Wachstumspolitik führt Deutschland wieder auf einen sicheren Wachstumspfad zurück.
In Zeiten der Wirtschaftskrise konnte sich der Gartenbau allerdings stabil halten.
Das, lieber Herr Herker, ist das Ergebnis vorausschauenden Handelns, guter Ideen und innovativer Produkte der Unternehmerinnen und Unternehmer im Gartenbau. Ich danke Ihnen für Ihr Engagement und freue mich auf die weitere Zusammenarbeit mit den Vertretern des Gartenbaus.
IPM und Gartenbau stehen für Innovation.
Wer bei den Arbeitsmitteln der Gärtnerinnen und Gärtner nur an Schaufel und Gießkanne denkt, sollte sich von diesem Bild schnellstens verabschieden. Gartenbau ist wie der gesamte Agrarsektor ein höchst innovativer Wirtschaftszweig.
Die Internationale Pflanzenmesse ist das richtige Schaufenster dafür. Denn sie zeigt den erreichten Fortschritt und gibt den Blick frei, was uns noch erwartet. Die Bewältigung der Folgen des Klimawandels ist auch für den Gartenbau eine große Herausforderungen unserer Zeit. Wer mit und in der Natur produziert, muss sich auf die sich verändernden Produktionsbedingungen einstellen.
Hier sind stets neue und innovative Strategien gefragt, damit der Gartenbau heutige und künftige Anforderungen bewältigen kann.
Vergangenen Herbst wurde unter Federführung meines Hauses auf dem Zukunftskongress Gartenbau das Projekt der "Zukunftsstrategie Gartenbau 2020" gestartet. Diese gemeinsame Strategie soll als Leitfaden dienen, um den deutschen Gartenbau zukunftsweisend fortzuentwickeln.
Ich freue mich schon heute auf die weitere Diskussion, Erkenntnisse und Handlungsoptionen zu diesem Thema.
Seit Jahren sind im Gartenbau zudem die hohen Energiekosten – vor allem im Unterglasanbau – ein entscheidender Wettbewerbsfaktor. Auch hier gibt es bereits vielfältige und innovative Ansätze, die auf Energieeffizienz und Klimaschutz setzen. Dazu gehört auch der Einsatz regenerativer Energien.
Eine nachhaltige Energieversorgung ist nicht nur kurzfristig ein wirtschaftliches Argument. Sie ist auch ein Beleg für eine verantwortungsbewusste Produktion hochwertiger Gartenbauerzeugnisse.
Im September hat die Bundesregierung als Teil der nationalen Klimaschutzinitiative ein Programm zur Steigerung der Energieeffizienz in Landwirtschaft und Gartenbau gestartet. Damit werden investive Maßnahmen gefördert, die zur Verringerung der Kohlendioxid-Emissionen und Energiekosten beitragen. In den kommenden vier Jahren stehen dazu jährlich sieben Millionen Euro zur Verfügung.
Meine Damen und Herren, die Verleihung des Gartenbaupreises Nordrhein-Westfalen 2010 durch meinen Kollegen Uhlenberg hat uns eben gezeigt, dass die besten Ideen aus der Praxis erwachsen.
Lieber Kollege, Sie können zu Recht Stolz auf den innovativen Gartenbau in Nordrhein-Westfalen sein. In dieser Branche gibt man sich eben nicht schon mit dem Erreichten zufrieden, sondern ist ständig um Weiterentwicklungen und Neuerungen bemüht. Das ist eine Stärke der Unternehmerinnen und Unternehmer des Gartenbaus! Erfolg durch Innovation lässt sich nicht staatlich verordnen. Er kommt am besten durch die Menschen selbst. Das ist wichtig und das unterstütze ich nachhaltig.
Lassen Sie mich an dieser Stelle deshalb kurz einen Aufruf an Sie starten: Auch in diesem Jahr wird durch mein Haus wieder der "Deutsche Innovationspreis Gartenbau" für herausragende Leistungen mit Modellcharakter vergeben. Machen Sie mit! Ich bin auf Ihre kreativen und innovativen Ideen gespannt.
Eine Voraussetzung für Innovation ist Forschung und Ausbildung. Deshalb sind eine gut aufgestellte Forschung und Ausbildung sicherlich zentrale Ansatzpunkte für die Zukunft. Denn Wissen wird als Produktionsfaktor immer bedeutender. Wer in Bildung und Ausbildung investiert, legt den Grundstein für eine gute Zukunft und für den Erfolg in den Betrieben. Mich freut es, dass das Rahmenprogramm der Messe diesem Gedanken Rechnung trägt.
Denn der Gartenbau lebt nicht allein von seinen Produkten. Er lebt im besonderen von den vielen engagierten Unternehmerpersönlichkeiten sowie den qualifizierten und motivierten Mitarbeitern. Gerade gut ausgebildeter Nachwuchs ist ein wichtiges Kriterium für die Zukunftsfähigkeit der Branche.
Die IPM steht für Vielfalt, denn hier wird das gesamte Spektrum der Grünen Branche präsentiert. Das haben auch meine Vorredner bereits dargestellt. Vielfalt ist auch ein Spiegelbild für die gesamte Branche. Die über 20.000 Betriebe mit Schwerpunkt Gartenbau alleine in Deutschland sind ein breites Spektrum an Leistungsträgern.
Das sind zum einen die hochwertigen Produkte und Dienstleistungen. Diese leisten einen wichtigen Beitrag zu Lebensqualität in unserem Land. Obst und Gemüse sind ein wesentlicher Bestandteil einer gesunden und ausgewogenen Ernährung.
Zierpflanzen und Schnittblumen stehen für Wohlbefinden und eine lebenswerte Umgebung. In Deutschland nutzt ja bereits nahezu jeder zweite Haushalt einen eigenen oder gepachteten Garten. Der Balkon wird immer mehr zum Garten im städtischen Kleinformat. Was sich natürlich auch in Trends bei den Pflanzen niederschlägt.
So konnte der Gartenbau seine Bedeutung innerhalb des agrarischen Sektors in den letzten Jahrzehnten weiter ausbauen. Und gerade der gartenbauliche Dienstleistungsbereich wird immer stärker nachgefragt.
Die Betriebe des Gartenbaus sind nicht nur wichtige Arbeitgeber in ländlichen Räumen und tragen dort zur Einkommenssicherung bei. Diese Betriebe fungieren auch als wichtige Schnittstelle zwischen Stadt und Land. Diese Bedeutung ist nicht zu unterschätzen, wenn wir die Bedeutung der agrarischen Produktion in der Öffentlichkeit bewusster machen wollen.
Meine Damen und Herren, die Internationale Pflanzenmesse präsentiert uns einen bunten Ausschnitt der Leistungsfähigkeit und Ästhetik des Gartenbaus. Wir wollen von Seiten der Politik dafür gute Rahmenbedingungen setzen. Dabei ist klar: Ein wettbewerbsfähiger und innovativer Gartenbau ist ein Gemeinschaftsprodukt.
Dazu ist eine gute Zusammenarbeit aller Akteure notwendig: Wirtschaft, Wissenschaft, Verbände und Politik. Sie sind gleichermaßen gefragt, wenn es darum geht, sich den Herausforderungen der Zukunft zu stellen. Von Innovation und Wissenstransfer profitieren alle gleichermaßen.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine ertragreiche Messe mit interessanten Kontakten und viele Möglichkeiten zum gegenseitigen Austausch.
Hiermit erkläre ich die 28. Internationale Pflanzenmesse für eröffnet!

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