"Ehrlichkeit bei Verpackungen"
- Datum:
- 29.01.10
Im Interview mit der "Rheinischen Post" beantwortet Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner unter anderem Fragen zu der Ernährung, der Lebensmittelkennzeichnung sowie der Krankenversicherung.
Frage: Unsere Kinder werden immer dicker. Haben Sie ein Rezept dagegen?
Aigner: Die Politik ist sich ihrer Verantwortung bewusst, kann das Problem aber nicht alleine lösen. Was bewusste Ernährung betrifft, muss schon im Elternhaus, in Kindergärten und Schulen der Grundstein gelegt werden. Ich will mit Lehrern und Schülern erreichen, dass schon in der Schule das kleine Einmaleins der gesunden Ernährung auf dem Stundenplan steht.
Frage: Wie kann man Familien vor Werbeeinflüsterungen für Schokoriegel mit Extra-Portion Milch schützen?
Aigner: Fest steht: Wenn ein Hersteller behauptet, sein Schokoriegel sei besonders gesund, muss er die einzelnen Nährwerte wie zum Beispiel den Zucker- und Fettgehalt auf der Verpackung ausweisen. Was die Nährstoffe betrifft: Wir sind auf EU-Ebene gerade an der Überarbeitung der Kennzeichnungsvorschriften. Ich setze mich dafür ein, dass künftig auf allen Lebensmittel-Verpackungen konkrete Angaben zu den Nährwerten stehen – nicht nur auf jenen Waren, die mit besonderen Attributen beworben werden.
Frage: Das Kleingedruckte hilft Eltern im Supermarkt aber nicht, wenn die Kinder an der Kasse um Süßigkeiten betteln.
Aigner: Die Supermärkte sollten statt Süßigkeiten lieber eine appetitliche Portion Obst an ihre Kassen stellen. Das kann ich aber nicht gesetzlich vorschreiben, da kann ich nur an die Händler appellieren. Ich kann mir aber gut vorstellen, dass Eltern jene Supermärkte bevorzugen, die die Süßigkeiten von den Kassen wegräumen.
Frage: Was ist eigentlich beim Start der Regierung schief gelaufen?
Aigner: Keine Frage – die neue Koalition hat für alle Beteiligten eine Umstellung bedeutet. Wir haben vorher mit der SPD regiert. Die FDP hingegen kommt aus elf Jahren Opposition und macht die Feststellung, dass es nicht immer so einfach ist, alle Versprechungen umzusetzen.
Frage: Wird Merkel zu Recht kritisiert?
Aigner: Ich finde den Führungsstil von Angela Merkel gut. Die Kanzlerin klärt die Dinge klug und intern. Ich halte nichts von vermeintlichen Ratgebern, die meinen, man müsste immer auf den Tisch hauen und die Backen aufblasen.
Frage: Die CSU ist skeptisch gegenüber der Gesundheits-Prämie. Müssen dann nicht die Beiträge steigen?
Aigner: Nicht unbedingt. Die Krankenkassen müssen ihre Hausaufgaben erledigen und ihre Kostenstrukturen konsequent überprüfen. Es gibt ja auch einige Krankenkassen, die immer noch Beitragsrückerstattungen vornehmen. Kassen, die jetzt rasch Zusatzbeiträge fordern, machen es sich zu leicht, die wälzen einfach alles auf ihre Versicherten ab.
Frage: Was können Sie tun?
Aigner: Ich will mich dafür einsetzen, dass die Versicherten künftig mehr Wahlmöglichkeiten erhalten. Es muss nicht überall nur ein Einheitstarif angeboten werden. Die Verbraucher sollten wie bei anderen Versicherungen die Chance haben, gezielt die für sie passenden Tarife zu wählen. Dies wird aber nur möglich sein, wenn die Kassen selbst für mehr Transparenz sorgen, was Kosten und Leistungen betrifft. Hier hapert es noch.
Frage: Wie sehen Sie die Zukunft der privaten Krankenversicherung?
Aigner: Sie soll auf jeden Fall neben dem gesetzlichen System bestehen bleiben. Ich könnte mir vorstellen, einzelne Elemente der privaten Krankenversicherung in das gesetzliche System zu integrieren. Es wäre schon ein großer Vorteil, wenn jeder Patient eine Rechnung bekommen würde und den Überblick über seine Behandlungskosten hätte.
Quelle: Wirtschaftsseite der Rheinischen Post vom 29. Januar 2010
- Interview mit:
- Bundesministerin Ilse Aigner
- Fragen von:
- Eva Quadbeck (Rheinische Post)

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