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Eröffnung der BioFach und Vivaness 2010

Datum:
17.02.10
Ort:
Nürnberg
Redner:
Staatssekretär Dr. Robert Kloos

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

ich freue mich, Sie alle im Namen von Bundesministerin Aigner zur Eröffnung der BioFach 2010 und der Vivaness 2010 in Nürnberg begrüßen zu können.

Bundesministerin hätte gerne selbst zu Ihnen gesprochen. Aber: Der politische Aschermittwoch bindet sie heute Morgen an anderem Ort. Ich darf Ihnen herzliche Grüße von Ministerin Aigner ausrichten und der BioFach und der Vivaness einen guten und erfolgreichen Verlauf wünschen. Ministerin Aigner hat es sich nicht nehmen lassen, bereits heute Nachmittag mit einem Messerundgang diese Bio-Leitmesse zu besuchen.

Und so habe ich die Chance bekommen, bei der Eröffnung dabei zu sein. Ich bin gerne gekommen. Heute und in den nächsten Tagen zeigt die Bio-Branche in ihrer ganzen Vielfalt – angefangen von den Lebensmitteln über Kosmetika bis hin zu den Textilien – wofür sie steht, was sie bewegt und was sie zu leisten im Stande ist.
Darauf bin ich sehr gespannt.

Nirgendwo sonst wird der Markt für Bio-Produkte greifbarer als auf der Weltleitmesse BioFach und Vivaness. Mit dem ökologischen und sozialen Zusatznutzen von Produkten greift die BioFach in diesem Jahr einen Gesellschaftstrend auf, der nicht nur für Lebensmittel, sondern auch für andere Produktgruppen gilt. Das zeigt: die BioFach hat wieder einmal ihr Ohr am Puls der Zeit.

Der Bio-Markt – globaler Markt mit regionalen Wurzeln

Bio hat sich ausgehend von ursprünglich kleinen und lokalen Strukturen global ausgeweitet.

Bio ist aber dennoch weit weg von den teilweise kritisierten Ansätzen der Globalisierung. Bio hat traditionell seine Wurzeln in der Region. Das sollten wir nicht vergessen. Und bei allem Marktwachstum sollten wir auch weiter auf diese Authentizität setzen.

Meine Damen und Herren, ich erspare mir an dieser Stelle jetzt die detaillierte Darlegung von Umsätzen und Umsatzsteigerungen. Wichtig ist: Der Bio-Markt ist ein stabiler Markt; er trotzt der weltweit schwierigen Wirtschaftslage. Und er ist ein Zukunftsmarkt; der Zuspruch der Verbraucherinnen und Verbraucher für Bio hält an.

Getragen wird diese stabile Marktentwicklung auch von der großen Vielfalt, von der Breite des Bio-Marktes. Darüber hinaus sind unsere vielfältigen Handelsstrukturen zudem eine tragende Säule für gute Marktperspektiven, für eine stabile und nachhaltige Entwicklung. Denn diese vielfältigen Handelsstrukturen kommen den unterschiedlichen Erwartungen und Anforderungen der Verbraucher entgegen und sie tragen zu einer ausgewogenen Angebotsstruktur bei.

Meine sehr geehrten Damen und Herren, diese Marktentwicklung begleitet der Staat mit der Gestaltung der Rahmenbedingungen für die Produktion und für die Märkte. Mit der Novellierung der EG-Rechtsvorschriften für den ökologischen Landbau existiert ein verlässlicher Rechtsrahmen für die weitere positive Entwicklung des Bio-Marktes.

Damit herrscht Planungssicherheit für Europa und für den Welthandel. In der EU gilt es nun, die in den Verhandlungen befindlichen Durchführungsbestimmungen für die Herstellung von Bio-Wein fertig zu stellen. Wir zählen dabei auf die weitere Unterstützung der Bio-Branche. Der Markt für Bio-Wein ist ja ein besonders dynamischer Markt.

Dies spiegelt sich auch in der diesjährigen Vergabe des neuen internationalen Weinpreises MUNDUSvini BioFach wider. Ich freue mich darauf, gleich im Anschluss die Preisträger auszeichnen zu können.

Künftige Herausforderungen

Meine Damen und Herren, die BioFach ist aber nicht nur Schaubühne für die Vielfalt der Branche. Die Bio-Fach ist auch der Ort für Reflexionen und eine Denkfabrik für künftige Entwicklungen und Herausforderungen. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang drei Herausforderungen aufgreifen: die Welternährung, das Prinzip der Fairness und den Klimaschutz.

Welternährung

Meine Damen und Herren, die Ernährungssicherung und die Bekämpfung des Hungers sind die größten Herausforderungen der Menschheit. Jeder Mensch hat ein Recht auf Nahrung. Doch: Rund eine Milliarde Menschen leiden Hunger. Über die Hälfe davon sind Kleinbauern sowie eine Vielzahl von Landarbeitern und Fischern, also Menschen, die im ländlichen Raum leben. Diese Menschen wollen menschenwürdige Lebensbedingungen, sie wollen vor allem sauberes Wasser und sie wollen satt werden.

Unabdingbar sind also Produktionssteigerungen und Verbesserungen der Effizienz der Produktionsverfahren. Hierzu sind intelligente Konzepte notwendig, um den Boden nachhaltig und effizient zu nutzen, die Ernten angemessen zu verteilen und allen Menschen Zugang zu ausreichender Ernährung zu garantieren.

Um den Hunger erfolgreich zu besiegen, brauchen wir als erstes Good Governance. Ohne die damit einhergehenden Rechte auf Zugang zu Land, Wasser und Kapital wird sich die Situation nicht wesentlich verbessern.

Zweitens brauchen wir an die unterschiedlichen natürlichen und sozio-kulturellen Bedingungen angepasste Technologien. Und dabei spricht einiges für die Anwendung ökologischer Anbauverfahren. Sie bieten gute Ansatzmöglichkeiten zunächst für eine bessere lokale Versorgung.

Die Welternährung hat aber noch eine andere Dimension: bis zum Jahre 2050 wird die Weltbevölkerung auf neun Milliarden zunehmen. Zur Bedienung dieser Nachfrage werden eher herkömmliche Produktionsmethoden im Vordergrund stehen und der Welthandel zunehmen. Dabei sind wir alle gefordert, dafür die notwendigen umweltverträglichen und ökonomisch tragfähigen Strukturen zu schaffen.

Fairness

Ich möchte noch einen weiteren Gesichtspunkt aufgreifen, nämlich den der Fairness. "Fair handeln – besser leben" steht bei der diesjährigen BioFach im Fokus. Das ist ein guter, zukunftsweisender Ansatz. Denn mit der zunehmenden Anonymität des Marktes dürfen wir nicht aus den Augen verlieren, dass es bei Bio um mehr als um gesunde Ernährung und den Schutz von Umwelt, Klima und Ressourcen geht.

Es geht auch darum, dass die Menschen, die Bio-Produkte anbauen, sie verarbeiten oder mit ihnen handeln, von ihrer Arbeit leben können. Fair handeln bedeutet dabei nicht nur Fairness im Handel, zwischen den Ländern des Nordens und denen des Südens, es bedeutet auch Fairness im alltäglichen Miteinander der Menschen, sprich in der gesamten Branche. Die IFOAM-Prinzipien greifen diesen Gedanken bereits auf.

Der faire Handel ist ein ermutigendes Beispiel für die Umsetzung dieses Leitgedankens. Mittlerweile ist der faire Handel zu einem bedeutsamen Instrument für die Bekämpfung der Armut geworden. Handel ist – um mit den Worten unseres Herrn Bundespräsidenten zu sprechen – die erste Hilfe zur Selbsthilfe aus der Armut.
Angemessene Entlohnung für geleistete Arbeit und Produkte, langfristige Lieferverträge, Beratungs- und Umstellungshilfen sowie zinsgünstige Kredite schaffen Verlässlichkeit und unterstützen die positive Entwicklung vor Ort.

Umsatzsteigerungen von 25 Prozent im Jahr 2008 für fair gehandelte Produkte zeigen, dass die Grundprinzipien des fairen Handels für eine immer größer werdende Anzahl von Verbraucherinnen und Verbrauchern ein wichtiger Aspekt bei der Auswahl der Lebensmittel werden.

Das ist eine überaus erfreuliche Entwicklung, zeigt sie doch, dass mit dem Einkaufskorb wirkungsvoll Produktion und Handel beeinflusst werden können. Rund 70 Prozent der fair gehandelten Lebensmittel sind bio-zerfiziert. Dabei handelt es sich mittlerweile um eine breite Produktpalette, die weit über die "klassischen" Produkte wie Kaffee, Tee, Kakao und Bananen hinausgeht. Bio und fair ergänzen sich also vorzüglich.

Bei Fairness denke ich aber auch an Aktivitäten der Öko-Branche hier in Deutschland. Beispielsweise an den Branchenkodex der Naturkostbranche, an die Aktion bio-mit-gesicht sowie an Vermarktungsstrategien einzelner Unternehmen. Aktionen, die Transparenz und Nachvollziehbarkeit der Herkunft der erzeugten Produkte schaffen. Das sind vielfach Aktionen, die für den Willen und die Bereitschaft der Bio-Branche stehen, Verantwortung zu übernehmen. Das sollte offensiv kommuniziert und weiter mit Leben gefüllt werden.

Klimaschutz

Und damit, meine sehr geehrten Damen und Herren, komme ich abschließend auf ein nicht minder bedeutsames Thema: den Klimaschutz.

Zusammen mit der Sicherstellung der Welternährung ist der Klimaschutz eine große Aufgabe, die uns alle herausfordert.

Wir stellen uns diesen Herausforderungen: Anlässlich der diesjährigen Internationalen Grünen Woche ist auf Initiative von Bundesministerin Aigner in Berlin der Startschuss für eine agrarpolitische Klimaschutz-Initiative gefallen. Die Ministerinnen und Minister aus rund 50 Staaten haben den Faden aufgegriffen, den die Staatengemeinschaft in Kopenhagen fallen gelassen hat.

Wir wollen uns bei der Erarbeitung eines eigenständigen Arbeitsprogramms zur Landwirtschaft einbringen. Ziel ist es, die Klimaeffizienz der Agrarproduktion und die Anpassung an den Klimawandel zu verbessern, ohne dabei die Sicherstellung der Welternährung zu vernachlässigen.

Low input-Verfahren mit ihrem geringen Betriebsmitteleinsatz aus lokalen Ressourcen können hierzu einen Beitrag leisten. Der ökologische Landbau ist dafür ein gutes Beispiel.

Ich möchte Sie ermutigen, hier weiterzumachen.

Eröffnung der Messen

Meine Damen und Herren, genug der Rede, nun folgen die Taten.

Ich bin gespannt auf die Messen und erhoffe mir von den nächsten Tagen wichtige Impulse für die weitere Entwicklung des Bio-Marktes.

Die Biofach und die Vivaness 2010 sind hiermit eröffnet.

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Am 19. Januar 2012 hat Bundesministerin Ilse Aigner die "Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" vorgestellt.

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