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Potenziale und Chancen für Bio-(Erd-)gas

Datum:
15.01.10
Ende:
15.01.10
Ort:
Berlin
Redner:
Parlamentarische Staatssekretärin Julia Klöckner

Grußwort der Parlamentarischen Staatssekretärin beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Julia Klöckner zur Eröffnung des Bio-Erdgasstandes des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft auf der Internationalen Grünen Woche.

1. Bedeutung von Biogas für die Energieversorgung der Zukunft

Ich freue mich Ihren Messestand "Bio-Erdgas – intelligente Energie für die Zukunft" hier in der Nature.Tec-Halle mit zu eröffnen. Biogas ist sehr wichtig für eine zukunftsfähige Energieversorgung in Deutschland. Zum einen, da der hohe Anteil an Energieimporten alternative Energiequellen für eine sichere Versorgung der Bevölkerung notwendig macht. Zum anderen weil aufgrund der Prognosen unverändert steigender Energieverbrauchsraten weltweit eine hundertprozentige Erhöhung der globalen Kohlendixoid-Emission bis 2050 möglich ist, sofern nicht sofort gegengesteuert wird! Die Folgen des damit verbundenen Klimawandels können nur durch gemeinsame Anstrengungen aller Länder zum Klimaschutz und Änderungen in den Energiepolitiken vermieden werden. Leider konnten die Teilnehmer der Klimakonferenz in Kopenhagen sich noch nicht über eine sinnvolle Fortführung des Kyoto-Protokolls einigen. Dies muss dringend in nächster Zeit geschehen!

Als klimaverträglicher und regional verfügbarer Energierohstoff ist Biomasse im Vergleich mit anderen Erneuerbaren Energien speicherfähig und dadurch rund um die Uhr nach Bedarf verfügbar. Es können effektiv Kohlendixoid-Emissionen eingespart werden; alleine Biogas hat hier 2009 ca. 13,5 Millionen Tonnen Kohlendixoid-Emissionen vermieden und damit zum Klimaschutz beigetragen.

2. Biogas in Deutschland

Die Erzeugung und Nutzung von Biogas hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur zu einem wesentlichen Eckpfeiler der erneuerbaren Energien entwickelt, sondern stellt auch für viele landwirtschaftliche Betriebe eine wichtige alternative Einkommensquelle dar. Denn die derzeit 4.500 Biogasanlagen versorgen alleine umgerechnet etwa 3,5 Millionen Haushalte!

Die Effizienz herkömmlicher Blockheizkraftwerke mit Verstromung der Biomasse wird durch den Kraft-Wärme-Kopplungs-Bonus, der die Nutzung von Strom und Wärme fördert, unterstützt. Damit können bis zu 60 Prozent der Primärenergie des Biogases in Form von Wärme sinnvoll genutzt werden. Wichtig sind für dieses Konzept Wärmeabnehmer in der Nähe des Betriebes oder ein örtliches Nahwärmenetz. Hier werden wir weiter innovative Konzepte unterstützen!

3. Biomethan in Deutschland

Neben der derzeit vorherrschenden Verstromung des Biogases direkt am Anlagenstandort spielt zunehmend die Aufbereitung des Biogases zu erdgasgleichem Biomethan und dessen Einspeisung in das Erdgasnetz eine Rolle. Denn dies ermöglicht ebenfalls eine effiziente Energienutzung. Außerdem ist die Nutzung des Biomethans als Kraftstoff in Erdgasfahrzeugen eine weitere Option.

Derzeit gibt es in Deutschland schätzungsweise 35 Biomethananlagen, hauptsächlich von Stadtwerken und Energieversorgern betrieben, aber auch von einer landwirtschaftlichen Genossenschaft. Jährlich lassen sich mit diesen 35 Anlagen knapp 210 Millionen Kubikmeter Biomethan erzeugen, das im Moment überwiegend am Anlagenort verstromt wird. Hier ist ein weiterer Kapazitätsausbau zu erwarten!

Auch bieten inzwischen einige Energieversorger ihren Endkunden Erdgas mit Biomethan-Anteil an. Dabei verfügen die Energieversorger in der Regel über Abnahmeverträge mit Aufbereitungsanlagen, die die entsprechende Menge Biomethan ins Erdgasnetz einspeisen. Wir stehen hier erst am Anfang einer Entwicklung!

Alleine die Tatsache, dass es derzeit bereits 850 Erdgastankstellen und 850.000 Erdgasfahrzeuge in Deutschland gibt, zeigt beispielsweise die Potenziale für eine kohlendioxid-einsparende Biogasnutzung als Kraftstoff auf.

Die Umsetzung des dritten Binnenmarktpakets mit der EU-Richtlinie zum Gasbinnenmarkt kann hier mit der Festlegung des nicht-diskriminierenden Zugangs von Biogas zum Erdgasnetz gute Rahmenbedingungen für die weitere Entwicklung der Biogasnutzung schaffen.

4. Ausbau der Biogasnutzung – Ziele

Welche Ziele wollen wir erreichen? Die im vergangenen Sommer verabschiedete europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie nennt verbindliche Anteile für alle Mitgliedsstaaten. Deutschland muss demnach im Jahr 2020. 18 Prozent seines Endenergieverbrauchs aus erneuerbaren Energien gewinnen. Bioenergie wird dabei voraussichtlich den größten Anteil beisteuern müssen.

Welche Ziele haben wir bei der Nutzung von Biomethan? Ziel der Bundesregierung ist es, dass bis 2020 sechs Milliarden Kubikmeter Biomethan und bis 2030 zehn Milliarden Kubikmeter Biomethan Erdgas ersetzen.

Zur Weiterentwicklung der Bioenergie- und Biomethannutzung werden wir auf ein Maßnahmenbündel setzen:

  • Im BMELV-Wettbewerb "Bioenergie-Regionen" setzen bereits mehrere der 25 Sieger-Regionen auf Biomethan.
  • Das BMELV-Aktionsprogramm "Energie für morgen - Chancen für ländliche Räume" wird weiterhin innovative, effiziente und umweltfreundliche Konversionstechnologien stärken. Hierzu zählt auch die Aufbereitung von Biogas zu Biomethan.
  • Und über die FNR werden wir weiter mit dem Forschungsprogramm "Nachwachsende Rohstoffe" die Biogasforschung fördern. Eine Reihe von Forschungsvorhaben, die die FNR betreut, befassen sich mit Biomethan.
  • Und natürlich werden wir uns für eine weitere Verbesserung der Rahmenbedingungen für die Aufbereitung und Einspeisung von Biogas in das Erdgasnetz einsetzen.
  • Aber auch die Wirtschaft kann beispielsweise mit Selbstverpflichtungserklärungen und Nutzungsvereinbarungen zur Erhöhung der Biogasnachfrage beitragen.

Ich wünsche Ihren Vorhaben gutes Gelingen und eine erfolgreiche Messebeteiligung!

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