Verbraucherinformation in der Weinwirtschaft
Eröffnung der neuen Räume der Deutsche Wein- und Sommelierschule in Berlin
- Datum:
- 25.02.10
- Ort:
- Berlin
- Redner:
- Parlamentarischen Staatssekretärin Julia Klöckner
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
Wir haben eben gehört, an welch historischer Stätte wir uns hier befinden. Ich denke, das ist doch eine hervorragende Kombination: Einer der ältesten Plätze dieser Stadt beherbergt eine Schulungsstätte für eines unserer ältesten kulinarischen Kulturgüter! So begegnen sich Kultur und Geschichte – oder genauer gesagt: 2.000 Jahre deutsche Weinkultur treffen auf fast 850 Jahre Berliner Stadtgeschichte. Das passt doch perfekt zusammen, oder?
Wenn wir von Weinkultur sprechen, dann dürfen wir natürlich auch den Weingenuss nicht vergessen. Für beides steht eine Wein- und Sommelierschule. Doch heute geht es nicht nur um irgendeine Sommelierschule. Es geht um eine der Top-Adressen in Deutschland: Die Deutsche Wein- und Sommelierschule Koblenz (DWS).
Seit 2001 ist die DWS auch in Berlin vertreten und hat Anfang diesen Jahres hier in der "Alten Münze" ihr neues Zuhause bezogen. Die DWS bietet als Tochter der Industrie- und Handelskammer Koblenz seit mehr als 25 Jahren Weinseminare und berufsbegleitende Weiterbildung zum Thema Wein an. Mehr als 700 Weinbegeisterte haben die Ausbildung zum geprüften Sommelier und rund 420 zum geprüften Weinfachberater durchlaufen. Eine stolze Bilanz! Dabei ist die DWS eine von nur zwei Schulen in Deutschland, die diese staatlichen Diplome verleihen können.
Außerdem haben mehr als 5 000 Weinliebhaber an den verschiedenen Weinseminaren teilgenommen. Dabei werden neben der Wein- und Getränkekunde auch Kenntnisse in Verkauf, Rhetorik, Kalkulation und – Menschenführung vermittelt. Wenn das kein umfassender Ansatz ist!
Welcher Weinfreund träumt nicht davon, einen Wein wie ein Kenner ansprechen zu können, alle seine Nuancen und Facetten zu ergründen - dem Wein sozusagen sein Geheimnis zu entlocken. Und nebenbei wird man auch noch zum Weinpsychologen ausgebildet. Kein Wunder, dass die DWS Marktführer in Sachen Weiterbildung zum Thema Wein ist!
Meine Damen und Herren, ein wichtiger Aspekt bei Schulen ist der Multiplikatoreffekt. Das trifft insbesondere für Schulen zu, die selbst wiederum Lehrer und Berater ausbilden – wie eben die DWS. Sommeliers und Weinfachberater sind "Botschafter" des guten Weines. Der Wein braucht solche Botschafter. Sie geben Empfehlungen und Ratschläge, leisten Hilfestellungen und liefern wertvolle Informationen - und machen auf diese Weise das Kulturgut Wein zu einem vinologischen Kulturerlebnis.
Lieber Herr Podzun, Sie haben hier eine wunderbare Einrichtung geschaffen, weil Sie damit den Menschen Wein als Kulturerlebnis näher bringen. Das funktioniert gerade auch deshalb, weil sich Ihre Schule nicht nur an Experten und Insider richtet. Die DWS ist Orientierungspunkt und Anlaufstelle für alle Weinliebhaber und Genießer - und selbstredend für diejenigen, die es noch werden wollen. Sie leistet damit einen wertvollen Beitrag zur Aufklärung und Information der Verbraucher rund um das Thema Wein.
Wenn es die DWS nicht gäbe, müsste man sie erfinden. Was hier geleistet wird, kann keine Literatur, kein Werbeprospekt und schon gar kein Rückenetikett ersetzen – allenfalls ergänzen. Schließlich ist die Aromen- und Geschmacksvielfalt unserer Weine nahezu unüberschaubar. Und damit sind die Anforderungen an einen guten Sommelier und Weinfachberater entsprechend hoch.
Ständig gibt es neue Schätze zu entdecken. Wein wechselt sein Gesicht von Jahr zu Jahr. Hinzu kommen die vielen verschiedenen Sorten und Herkünfte. Immer mehr Weingüter, aber auch bislang noch nicht Erscheinung getretene Regionen, rücken ins internationale Rampenlicht und hinterlassen ihre Spuren. Die einen sind nachhaltiger, andere vielleicht nur flüchtig. Diese Entwicklungen gilt es ständig zu beobachten, zu bewerten und zu begleiten.
So ist es nur folgerichtig, dass die DWS auf der Weltbühne aktiv wird. Bereits heute richtet sich das Angebot an das internationale Publikum. Zudem gibt es eine enge Zusammenarbeit mit Weinschulen auf der ganzen Welt.
Ab Herbst diesen Jahres stößt die DWS bei der Weiterbildung in neue, in internationale Dimensionen vor. Wenn nämlich der Top-Lehrgang Geprüfter Meistersommelier bzw. Certified Master Sommelier angeboten wird. Er wird dann die Spitze der Pyramide bilden und das Angebot der DWS sozusagen nach oben abrunden. Dieses Angebot dürfte insbesondere an einem internationalen Standort wie Berlin mit seiner großen Spitzenhotellerie und –gastronomie auf entsprechende Nachfrage stoßen. Selbst bei den Sommeliers schreitet also die Globalisierung voran!
Und die Herausforderungen der Zukunft bleiben spannend. Ich denke da zum Beispiel an das künftige Weinbezeichnungsrecht. Gut – wir haben 2007 die europäische Weinmarktreform so verabschiedet, dass in Deutschland im Grunde alles so bleiben könnte, wie es ist. Das war schließlich unser Ziel. Doch mittlerweile fragen sich viele in der Branche: Wollen wir das eigentlich noch, dass bei den Weinbezeichnungen alles so bleibt, wie es ist?
Mein Eindruck ist, dass vielen Winzern und Weinliebhabern noch gar nicht so recht bewusst ist, welche Chancen und Möglichkeiten das neue Weinbezeichnungsrecht für unsere Weine bereit hält.
Auch für mich lässt sich nur schwer vorhersagen, wie die Situation in fünf oder zehn Jahren sein wird:
- Welchen Stellenwert werden zum Beispiel deutsche Weine mit geschützter Herkunftsangabe künftig erlangen?
- Wie werden sich deutsche Rebsortenweine ohne Herkunftsangaben entwickeln?
- Wird es zu einer Bereinigung der Begriffs- und Lagenvielfalt kommen?
- Wie geht es weiter mit unseren traditionellen Bezeichnungen wie beispielsweise Kabinett, Spätlese, Auslese?
- Werden diese Begriffe eine Neubewertung erfahren?
Sicher wird der eine oder andere Winzer zunächst einmal abwarten und schauen, wie sich die Konkurrenz verhält. Dabei richtet sich der Blick unwillkürlich auch auf den Handel und die Verbraucher. Doch schon bald könnte gerade von dieser Seite eine gewisse Dynamik in die Entwicklung kommen, weil Handel und Verbraucher mehr Klarheit und vor allem Vergleichbarkeit mit dem internationalen Angebot fordern. In einer solchen Situation können Weinfachberater und Sommeliers eine wichtige Aufgabe übernehmen und bis zu einem gewissen Maße die Entwicklung sogar selbst mitbestimmen. Denn letztlich wünschen sich die Verbraucher auch für den Weinmarkt der Zukunft Orientierung und Transparenz.
Lieber Herr Podzun, lieber Herr Niebuhr, Sie stehen hier für ein Konzept, das die Menschen an die Kunst des bewussten Weingenießens heranführen will. Sie öffnen das Tor zur geheimnisvollen Welt der Weine und sorgen dafür, dass die Gemeinde der Weingenießer ständig wächst. Ich wünsche Ihnen bei dieser Aufgabe hier an Ihrem neuen Standort auch für die Zukunft viel Erfolg.

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