Grußwort zur Eröffnung der deutschen Genbank Reben
Geilweilerhof Weinforum 2010
- Datum:
- 09.07.10
- Ort:
- Geilweilerhof, 76833 Siebeldingen
- Redner:
- Parlamentarische Staatssekretärin Julia Klöckner
Die Deutsche Genbank Reben wurde in Siebeldingen eröffnet, Quelle: BLE
Es gilt das gesprochene Wort!
Anrede,
ich möchte Sie – auch im Namen von Frau Bundesministerin Aigner - ganz herzlich begrüßen! Dieser herrliche und geschichtsträchtige Ort inmitten der wunderschönen pfälzer Weinberge ist ein würdiger Rahmen für das mittlerweile ja schon zur Tradition gewordene Weinforum des Geilweilerhofs.
Bedeutung der biologischen Vielfalt
Meine Damen und Herren, die Zukunft sichern und sie nicht durch Unachtsamkeit, Gleichgültigkeit oder Verschwendung in Frage zu stellen, das ist die große Herausforderung unserer Zeit. Dazu gehört auch die Erhaltung der überwältigenden Vielfalt an Tieren und Pflanzen auf unserem Planeten.
Erst im Januar dieses Jahres hat die Bundesregierung mit einer Festveranstaltung in Berlin den offiziellen Auftakt des Internationalen Jahres der biologischen Vielfalt 2010 gefeiert.
Wie hoch das Thema "Biologische Vielfalt" in der Politik angesiedelt ist, können Sie auch daran erkennen, dass Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt in ihrem damaligen Grußwort zu ihrem ganz persönlichen Anliegen erklärt hat.
Dabei muss es uns stärker als bisher gelingen, in der Öffentlichkeit – das heißt nicht nur bei Naturschützern, Land- und Forstwirten, Weinbauern, Fischern und Züchtern, sondern auch in Ernährungswirtschaft, Handel und bei den Verbrauchern – deutlich zu machen, wie wichtig es für die biologische Vielfalt ist, Ökonomie und Ökologie in Einklang zu bringen.
Aktivitäten des BMELV
Unter dem Motto "Schützen und nutzen" hat das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz eine Initiative ins Leben gerufen, um die Potenziale der Land-, Forst-, Fischerei- und Ernährungswirtschaft noch stärker bekannt zu machen und ihre Bedeutung für den Schutz und die nachhaltige Nutzung der biologischen Vielfalt zu unterstreichen.
Dieses Anliegen, das sich auch hinter dem etwas sperrigen Begriff der "Agro-Biodiversität" verbirgt, wollen wir mit konkreten Inhalten, also "mit Leben erfüllen".
Der Dreiklang aus Erhaltung, Erschließung und Nutzung der biologischen Vielfalt ist so Erfolg versprechend, gerade weil er Ökologie und Ökonomie nicht als Gegensätze auffasst, sondern zusammenführt.
Das Logo "Biologische Vielfalt - Schutz durch Nutzung", das BMELV sich auf seine Fahnen geschrieben hat, bringt das auf den Punkt.
Meine Damen und Herren, das BMELV plant und unterstützt im Jahr der biologischen Vielfalt 2010 zahlreiche Veranstaltungen und Aktionen, um dieses Thema stärker in den Fokus zu rücken:
Lassen Sie mich nur einige Beispiele nennen:
- Viele Aktivitäten anlässlich der Internationalen Grünen Woche in Berlin zu Beginn des Jahres haben wir bereits der Biologischen Vielfalt gewidmet.
- Am 14. Mai wurde in Niedersachsen die "Deutsche Genbank Rhododendron" gegründet.
- Heute können wir die "Deutsche Genbank Reben" einweihen.
- Beides sind zentrale Bausteine für den Schutz und die Nutzung wichtiger biologischer Ressourcen in Deutschland.
- Am Erntedankfest werden wir auf die Bedeutung der biologischen Vielfalt für die Ernährung und die Esskultur hinweisen.
- Anlässlich des Welternährungstages im Oktober werden wir ein hochrangiges Symposium zur Bedeutung der Agrobiodiversität für die Welternährung in Zeiten des Klimawandels durchführen.
- Alle diese Aktivitäten sollen dazu dienen, dem Schutz und der nachhaltigen Nutzung der biologischen Vielfalt den Stellenwert einzuräumen, der ihr als einer der globalen Herausforderungen dieses Jahrhunderts – auch im Kontext mit Bevölkerungswachstum, Ernährungssicherung und Klimawandel – gebührt.
Meine Damen und Herren, mir persönlich ist es ein besonderes Anliegen, dass wir mit unseren Aktionen vor allem auch die jungen Menschen erreichen. Denn sie werden einmal unser aller Zukunft gestalten.
Wir müssen unserer Jugend die lebensnotwendige Bedeutung eines nachhaltigen Wirtschaftens mit unseren begrenzten Ressourcen nahe bringen und vorleben, damit nicht nur die biologische Vielfalt, sondern auch wir Menschen eine Zukunft haben.
Was liegt also näher, als das Thema "Agrobiodiversität" auch in die Schulen hineinzutragen. Aus diesem Grund haben Ministerin Aigner und ich am 20. Mai in Berlin den Wettbewerb "Vielfalt macht Schule" ins Leben gerufen und das "Rollende Klassenzimmer", einen Tourbus, der unsere Initiative begleiten wird, auf seine Fahrt zu mehr als 50 Schulen in ganz Deutschland geschickt.
Wenn Sie mehr dazu erfahren wollen, lohnt sich ein Blick auf die Homepage des Ministeriums (www.bmelv.de).
Zur Deutschen Genbank Reben
Meine Damen und Herren, Ein gutes Beispiel für die Umsetzung des Konzepts "Schutz und Nutzung" sehen wir auch hier und heute. Der Anbau von Weinreben hat eine Jahrtausende alte Tradition. Dabei wurde eine unglaubliche Vielfalt von Rebsorten entwickelt. Jede für sich angepasst an die lokal herrschenden Bedingungen und die jeweiligen Anforderungen der Winzer.
Weltweit existieren etwa 12 bis 15.000 verschiedene Rebsorten. Doch diese Vielfalt ist gefährdet. Stichworte wie "Reblausinvasion", "Flurbereinigung" oder "Konzentration auf globale Sorten" machen dies unmittelbar deutlich. Die gerade für Deutschland typische Vielfalt der regionaltypischen Sorten und Klone ist bedroht!
Hier leistet auch das Institut für Rebenzüchtung mit seinen Aktivitäten und Sammlungen einen wichtigen Beitrag zur Sicherung und Erhaltung dieses kulturellen Erbes.
Gleichzeitig stehen Wissenschaftlern und Züchtern in den Beständen des Instituts die Pflanzen zur Verfügung, die sie für ihre Forschungs- und Züchtungsarbeit benötigen. Also: Schutz und Nutzung.
Das BMELV hat im Rahmen eines dreijährigen Erhebungsprojekts die Erfassung alter Rebbestände und der darin enthaltenen seltenen Rebsorten unterstützt. Dabei konnten über 200 alte Rebsorten ausfindig gemacht werden. Auch diese Funde werden langfristig hier aufbewahrt und in die "Deutsche Genbank Reben" integriert werden.
Ganz besonders freue ich mich darüber, dass es gelungen ist, hier eine übergreifende Zusammenarbeit zwischen dem Bund und den Ländern zu realisieren.
Wenn wir heute mit der Freischaltung der "Deutschen Genbank Reben" einen Beitrag dazu leisten können, dass die verschiedensten Aktivitäten zum Erhalt der Rebenvielfalt künftig besser abgestimmt und deshalb effizienter und effektiver sein werden, dann ist das ein großer Erfolg für alle Beteiligten.
Und auch ein Erfolg für den deutschen Weinbau.
Schlusswort
Meine Damen und Herren, die Organisatoren dieser Veranstaltung haben es geschafft, das Thema "Vielfalt der Rebsorten" mit Leben zu füllen.
Ich freue mich auf einen informativen Nachmittag hier am Geilweilerhof und natürlich auch auf die Gelegenheit, einige seltene historische Rebsorten zu sehen und deren Weine probieren zu können.
Diese Veranstaltung ist ein gelungenes Beispiel für die Aktivitäten zum Erhalt der biologischen Vielfalt in unserer Kulturlandschaft sowie für Vielfalt und Genuss auf dem Teller und im Glas!
Also auch ein gelungenes Beispiel für Schutz und Nutzung!
Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit!

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