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"Mehr Ehrlichkeit"

Datum:
11.01.10

Im Interview mit dem "SPIEGEL" äußert sich Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner zum Thema umweltschonender Nahrungsmittelproduktion.

Frage: Werden Sie am Donnerstag bei der Eröffnung der Internationalen Grünen Woche den Deutschen empfehlen, weniger Fleisch zu essen?

Aigner: Ich werbe für eine gesunde, ausgewogene Ernährung, dazu gehören auch Milch und Fleisch.

Frage: Der wachsende Fleischkonsum trägt massiv zum Klimawandel bei, ein Viertel der weltweiten Treibhausgasemissionen entsteht bei der Erzeugung von Lebensmitteln. Liegt da nicht erhebliches Einsparpotential?

Aigner: Eines ist sicher, Ernährung gibt es nicht zum Nulltarif, auch nicht in Bezug auf die Treibhausgasemissionen. Die Weltbevölkerung wächst rapide, bis 2050 muss die Nahrungsmittelproduktion um 70 Prozent steigen. Wenn alle Menschen genug zu essen haben sollen, dann müssen wir auch die entsprechenden Treibhausgase in Kauf nehmen.

Frage: Wie passt das zum Klimaschutzziel der Bundesregierung, die C02-Emissionen weiter zu verringern?

Aigner: In der Rinderhaltung wurden bei Methan seit 1990 fünf Millionen Tonnen eingespart, zudem beim Lachgas im Pflanzenbau vier Millionen Tonnen. Aber eine klimaneutrale und zugleich ausreichende Ernährung für alle ist schwer vorstellbar. Wir sollten die Debatte mit mehr Ehrlichkeit führen.

Frage: Die deutsche Landwirtschaft verursacht nicht viel weniger Emissionen als der Verkehr und hat keine festen Reduktionsverpflichtungen zu erfüllen. Bleibt es dabei?

Aigner: Laut Statistik hat die Landwirtschaft - ohne Gütertransporte - an den deutschen Treibhausgasemissionen einen Anteil von etwa sechs Prozent. Für die Landwirtschaft gibt es aus guten Gründen keine Sektorziele. Im Übrigen, Alleingänge nützen nichts, wir wollen international vorankommen. Deshalb werde ich bei der Grünen Woche mit über 40 Agrarministern darüber reden, wie die nötige Steigerung der Nahrungsmittelproduktion möglichst klimaschonend erreicht werden kann.

Frage: Also wird es auch künftig keine Auflagen für deutsche Bauern geben?

Aigner: Dass die Landwirtschaft noch effektiver und umweltschonender produzieren muss, ist der Politik wie den Landwirten bewusst. Und lassen wir bitte die Kirche im Dorf: Das größte Problem fürs Klima ist doch nicht die Erzeugung von Lebensmitteln, sondern der Energiesektor mit Mobilität, Wohnen und Heizen.

Quelle: SPIEGEL 2/2010

Interview mit:
Bundesministerin Ilse Aigner
Fragen von:
SPIEGEL

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