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Agrarministergipfel im Rahmen des Global Forum for Food and Agriculture

Datum:
16.01.10
Ort:
Berlin
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Eröffnungsrede der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz Ilse Aigner

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

ich begrüße Sie ganz herzlich zum Berliner Agrarministergipfel des "Global Forum for Food and Agriculture" und freue mich, dass Sie so zahlreich meiner Einladung gefolgt sind. Dies zeigt, welche Bedeutung das heutige Thema doch im internationalen Kontext einnimmt. Schließlich sind hier Vertreter aus über 50 Ländern zusammengekommen, die mehr als die Hälfte der weltweiten Agrarproduktion widerspiegeln.

Wir sind hier im Herzen Berlins. Der Pariser Platz ist ein geschichtsträchtiger Ort. Nicht weit von hier stand einst die Mauer als Zeichen der Teilung der Welt.
Heute ist das Brandenburger Tor Symbol der Wiedervereinigung und des Endes der Teilung.

Ich wünsche mir, dass der Geist dieses Ortes unsere Diskussionen inspiriert und dazu beiträgt, dass wir in einer zentralen Zukunftsfrage der Menschheit zu gemeinsamen Schlussfolgerungen und Initiativen kommen.

Wir spannen heute einen großen Bogen. Er reicht vom Agrarministergipfel im vergangenen Jahr unter dem Thema der Welternährung über das G-8-Treffen in Treviso, dem Welternährungsgipfel in Rom und dem Weltklimagipfel in Kopenhagen bis hin zu unserem heutigen Gipfeltreffen.

Die Sicherung der Welternährung und der Klimawandel sind die beiden großen Herausforderungen unserer Zeit, denen wir uns stellen müssen. Schon heute leidet jeder siebte Mensch an Hunger und Armut. Bis 2050 sollen rund neun Milliarden Menschen auf unserer Erde leben.

Wenn wir den Hunger wirksam bekämpfen und das Recht auf Nahrung für alle Menschen verwirklichen wollen, dann muss die Produktion von Nahrungsmitteln in den kommenden vier Jahrzehnten um 70 Prozent steigen.

Gleichzeitig sind die natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser endlich und werden zunehmend durch den Klimawandel beeinflusst.

Für die Bäuerinnen und Bauern weltweit heißt das, sich an veränderte Produktionsbedingungen anzupassen und einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz zu leisten. Das bedeutet für die Zukunft: mehr mit weniger produzieren.

Effizienz, Ressourcenschutz und Nachhaltigkeit ist der Dreiklang, an dem sich das Wirtschaften der Zukunft orientieren muss. Forschung und Entwicklung sowie Technologietransfer sind hier Schlüsselelemente.

Viele der durch Sie vertretenen Staaten sind deshalb auch Teil der neuen "Global Research Alliance on the Reduction of Agricultural Greenhouse Gases", die genau hier mit gemeinsamen Forschungsbemühungen ansetzen will. Denn es gilt auf lange Frist: Wer Klimaschutz und Effizienz unter einen Hut bringt, gewinnt nicht nur für sich, sondern auch für die Umwelt.

Wir werden heute im internationalen Kontext neue Konzepte für Landwirtschaft und Klimawandel diskutieren. Das ist eine große und wichtige Aufgabe, aber es ist bei weitem keine einfache.

Wichtige Fragen sind zu beantworten: Wie können wir dem Verlust landwirtschaftlicher Fläche begegnen ohne wirtschaftliches Wachstum zu gefährden? Wie lassen sich Produktionssteigerung, aktiver Klima- und Ressourcenschutz sowie der Erhalt der Artenvielfalt vereinbaren? Auf den ersten Blick scheint die Quadratur des Kreises gefordert zu sein, um Antworten zu geben.

Wir wissen, dass es dafür kein Patentrezept gibt. Kein Staat kann den Ausweg alleine finden. Vielmehr sind wir alle gefordert: Politik und Wirtschaft, Produzenten und Verbraucher sowie Forschung und Wissenschaft.

Der Berliner Agrarministergipfel wird deshalb auch ergänzt durch ein hochrangiges Wirtschaftspodium, das die Thematik aus ökonomischer Sicht beleuchtet.

Lassen Sie mich den Ansatz für unsere Arbeit beim Agrarministergipfel daher mit diesem Gebäude vergleichen: Wer vom Pariser Platz das Gebäude der DZ-Bank sieht, wird auf den ersten Blick ein gewöhnliches Haus erkennen, das sich von der Architektur her scheinbar in die gesamte Platzgestaltung einfügt. Erst auf den zweiten Blick sieht man die Besonderheiten.

Wer das Gebäude schließlich betritt, ist beeindruckt, was sich hinter der Fassade verbirgt. Es tut sich etwas Dynamisches und Unerwartetes auf. Bekannte Materialien wie Glas, Holz und Metall werden so kombiniert, dass sie sich in einem neuen Gesamtzusammenhang darstellen.

Bei den künftigen Konzepten zur Bewältigung der Herausforderung des Klimawandels dürfen wir auch nicht oberflächlich bleiben, sondern müssen von innen heraus mit den Veränderungen beginnen. Nur so kann etwas Neues entstehen. Dazu sind wir heute zusammengekommen.

Der Berliner Agrarministergipfel ist der Auftakt für eine große Initiative für Klimaeffizienz in der Landwirtschaft. Dies ist ein wichtiger Schritt! Gehen wir ihn mit Mut und Engagement!

In diesem Sinne wünsche ich uns fruchtbare und zielführende Diskussionen mit Schlussfolgerungen, die wie im vergangenen Jahr die internationalen Diskussionen einen großen Schritt voranbringen.

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