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Sicherheit und Qualität – Daueraufgaben der Fleischforschung

Eröffnungsrede zur 45. Kulmbacher Woche

Datum:
04.05.10
Ort:
95326 Kulmbach
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Kulmbach bekommt "Internationales Kompetenzzentrum für Fleischqualität".

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

vielen Dank für die Einladung nach Kulmbach. Diese Stadt ist ein Lebensmittelstandort erster Güte. Wer an Kulmbach denkt, dem kommt natürlich auch das bayerische Grundnahrungsmittel in den Sinn. Hier ist das Brauen quasi zu Hause und der Maischeduft liegt so manches Mal über der Stadt. Und wenn wir heute das Thema Lebensmittelsicherheit aufgreifen, dann ist das Bier sogar in gewissem Sinne ein Lehrbeispiel. Das erste Lebensmittelgesetz war das Reinheitsgebot und bis heute gilt für entsprechend gebrautes Bier: Was drauf steht, ist auch drin.

Bier steht heute aber nicht im Mittelpunkt. Denn die Kulmbacher Woche des Max-Rubner-Instituts sollte man auch auf keinen Fall mit der Kulmbacher Bierwoche verwechseln. In mehr als 65 Jahren hat sich Kulmbach einen herausragenden Ruf erworben. Die Arbeit der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler hat diesen Standort zu dem "Deutschen Fleischzentrum" werden lassen. Seit der Neustrukturierung der Ressortforschung meines Hauses wird die Forschung in Kulmbach unter dem Dach des Max-Rubner-Instituts betrieben.
Hier wie an allen anderen Standorten der Forschungseinrichtungen steht die praxisnahe Forschung im Vordergrund.

Das zeigt auch das Tagungsprogramm der kommenden beiden Tage, wenn es um die neuesten Ergebnisse der Fleischforschung geht. Von der engen Verzahnung von Wissenschaft und Anwendung können alle profitieren – die Wissenschaftler, die Wirtschaft und auch wir als Verbraucher.

Mit dieser Kulmbacher Woche beginnt etwas Neues an diesem Standort. Die internationale Kompetenz der Fleischforschung in Kulmbach ist seit Jahrzehnten gewachsen. Hier wird Wissen erarbeitet, gebündelt und verbreitet.

Es geht um die Erarbeitung europäischer Standards für die Qualität der wichtigsten Fleischarten oder die Weiterentwicklung der Fleischhandelsklassen. Dafür sind die Wissenschaftler aus Oberfranken eine der ersten Adressen.

Mit der Etablierung des "Internationalen Kompetenzzentrums für Fleischqualität" schaffen wir mehr als einen Namenszusatz. Die bisherige Leistungsfähigkeit ist die Basis. Die fachliche Exzellenz auf dem Gebiet der Fleischforschung in Kulmbach noch stärker international zu vertiefen, ist die Aufgabe der Zukunft.

Deshalb gliedern wir das neue internationale Kompetenzzentrum dem Institut für Sicherheit und Qualität bei Fleisch an. Insgesamt stellt mein Haus dafür in den nächsten Jahren bis zu 3,5 Millionen Euro zur Verfügung. Damit können wir auch das Personal aufstocken.

Durch unsere Investitionen in Bautätigkeit von bisher 9,4 Millionen Euro und noch kommenden zwei Millionen Euro sind die Startbedingungen für das neue Kompetenzzentrum ideal.

Die finanzielle Ausstattung spielt sicherlich eine wichtige Rolle. Noch wichtiger ist es aber, die Arbeit auf hohem Niveau weiterzuführen. Meine Damen und Herren, bei Lebensmitteln aller Art stehen an oberster Stelle Sicherheit und Qualität. Nur so können Produkte Verbraucher überzeugen. Nur so haben sie dauerhaft Erfolg am Markt.

Im gesundheitlichen Verbraucherschutz ist daher die Lebensmittelsicherheit von zentraler Bedeutung. Das hat die Bundesregierung auch als Ziel in ihrem Koalitionsvertrag festgehalten. Die Lebensmittelsicherheit soll weiter verbessert werden, ohne den bürokratischen Aufwand zu steigern.

Gleichzeitig soll das Bewusstsein für mehr Sicherheit und Qualität entlang der der gesamten Lebensmittelkette gestärkt werden. Wir haben bereits vieles erreicht.

Unsere Nahrungsmittel in Deutschland sind heute so sicher wie nie zuvor. Das verdanken wir auch der gemeinsamen Arbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung. Die Forschungsarbeit ist ein wichtiger Knotenpunkt im Netzwerk der Lebensmittelsicherheit. Durch Innovation wird dieses Netzwerk stärker, tragfähiger und damit zukunftsfester.

Mein Haus fördert deshalb auch im Rahmen unseres Programms zur Innovationsförderung das Institut für "Sicherheit und Qualität bei Fleisch" aktuell mit zwei Projekten.

Forscher leben von Neugierde, Wissensdurst und dem Ansporn das Gute noch zu verbessern. Deshalb sehe ich uns auf einem guten Weg weiter die Lebensmittelsicherheit zu verbessern.

Die Forschungsarbeit in diesen Bereichen gibt Antworten und eröffnet Handlungsmöglichkeiten für die Zukunft. Die Fleischprodukte von morgen sind bei Ihnen heute schon am Tisch.Herausforderungen und damit Arbeitsfelder gibt es also genügende:

  1. Veränderte Essgewohnheiten und veränderte Ansprüche
  2. Neue Technologien und Verfahren
  3. Erfolg auf den weltweiten Märkten

Veränderte Essgewohnheiten und veränderte Ansprüche

Welche Anforderungen stellen Verbraucher an Fleisch? Immer stärker soll es Teil einer gesunden und schmackhaften Ernährung sein. Die Behandlungsmethoden für die Zartheit von Rindfleisch ist ein Beispiel. Hier arbeiten sie daran, Qualitätssteigerung und Verbraucheranforderung zu vereinbaren.

Verbraucher interessiert aber nicht nur Aussehen und Geschmack ihrer Lebensmittel. Sie wollen zunehmend auch wissen, wie Tiere gehalten und geschlachtet wurden und wie das Fleisch verarbeitet wurde. Das Staatsziel Tierschutz konkret umzusetzen, ist daher auch für Sie eine Aufgabe.

Nehmen wir das Beispiel der Ferkelkastration und Ebermast: Hier gilt es, Tierschutz und Produktqualität in Einklang zu bringen. Es besteht Einigkeit, dass die traditionelle betäubungslose Kastration nicht mehr weiter betrieben werden kann. Die Alternative Eberfleisch dagegen kommt beim Kunden bisher nicht wirklich gut an.

Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Verbände sind aufgerufen, miteinander nach Lösungen und Alternativen zu suchen. Für das Institut hier in Kulmbach besteht in diesem Zusammenhang noch hoher Forschungsbedarf. Wir wollen dieses Thema vorantreiben. Deshalb ist dazu in diesem Jahr ein Symposium unter Federführung meines Hauses geplant.

Neue Technologien und Verfahren

Neue Methoden und Technologien sind als weitere Herausforderung stets ein Thema. Fleischbeschau und Fleischklassifizierung sind mittlerweile komplexe und hochtechnologisierte Verfahren. Der nationale Zerlegeversuch Schwein, der Computer-Tomograph zur Gewebemessung oder die Video-Bildanalyse Rind zeigen, dass High-Tech hier längst angekommen ist.

Technik ist eine Seite, die Anwendung die andere. Aus- und Weiterbildung sind daher genauso wichtig und werden in den Handelsklassenlehrgängen erfolgreich durchgeführt. Das soll auch in Zukunft so bleiben.

Erfolg auf den weltweiten Märkten

Eine dritte Herausforderung ist die verstärkte Exportorientierung der Fleischwirtschaft. Forschung, Erzeuger, Verarbeiter und Handel sind dabei gleichermaßen gefragt. Mittlerweile wird jeder vierte Euro Umsatz der Land- und Ernährungswirtschaft durch Export erwirtschaftet.

Gerade bei Fleisch hat Deutschland international stark an Wettbewerbsfähigkeit gewonnen. Der Export ist längst einer der Wachstumsmotoren für die Branche.

Die Sicherheit und Qualität unserer Produkte ist dabei ihr bestes Verkaufsargument. Diese Qualität zu erhalten und zu verbessern ist auf allen Ebenen notwendig, damit wir unsere Position halten können. Hier sehe ich das Internationale Kompetenzzentrum deshalb besonders gefragt.

Handelsfragen sind immer auch Fragen an die Wissenschaft: Welche Anforderungen müssen unsere Produkte erfüllen, um auf den Märkten Fuß zu fassen und wie können wir dort auf Dauer bestehen. Gleiches gilt auch für die Einfuhr von Fleischprodukten.

Meine Damen und Herren, Kulmbach ist ein Lebensmittelstandort erster Güte. Das habe ich eingangs erwähnt. Ab heute wird Kulmbach nun zu einer Lebensmittelstandort der Premiummarke. Der Standort wird durch die Etablierung des "Internationalen Kompetenzzentrums für Fleischqualität" weiter an Profil gewinnen.

Ohne zu viel verraten zu wollen: Das Schild, das Sie hier noch verborgen sehen und das schon bald vor der Türe angebracht wird, ist das äußere Zeichen. Viel wichtiger ist, dass dieser Name mit Leben gefüllt wird. Die Arbeiten dazu werden jetzt beginnen.

Ich bin mir sicher, dass Ihr Wissen und Engagement das Kompetenzzentrum zu einem Erfolg werden lässt. Im Netzwerk von Forschung und Anwendung zu Qualität und Sicherheit werden die Bande jetzt enger und noch internationaler als bisher geknüpft. Die Stärken und Kompetenzen des Standorts Kulmbach sind der Ausgangspunkt dafür. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen interessante und erkenntnisreiche Diskussionen während der Kulmbacher Woche und dem Internationalen Kompetenzzentrum für Fleischforschung viel Erfolg.

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