Deutsch-marokkanische Zusammenarbeit
Marokko ist für Deutschland zentraler Partner im Agrarbereich in Nordafrika. Das BMELV wird die bilaterale Partnerschaft mit dem Königreich daher deutlich intensivieren.
Staatssekretär Dr. Gerd Müller (rechts) vereinbarte mit dem marokkanischen Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch ein Exzellenzzentrum für Landwirtschaft, Quelle: BMELV
So wurde jüngst die Errichtung eines deutsch-marokkanischen Exzellenzzentrums für Landwirtschaft vereinbart.
Deutschland unterstützt damit Marokko bei seinem Vorhaben, im Rahmen des so genannten "Plan Vert du Maroc" die Landwirtschaft zu modernisieren. Marokko plant, bis zum Jahr 2020 über 13 Milliarden Euro in den Agrarsektor zu investieren, um in den nächsten zehn Jahren die Landwirtschaft zum Wirtschaftsmotor auszubauen und das landwirtschaftliche Bruttoinlandsprodukt zu verdoppeln.
Zu den wichtigsten Zielen gehört auch die Weiterentwicklung der Produktion von Milch und Fleisch. Bei diesem Ziel möchte Deutschland Marokko mit dem geplanten Exzellenzzentrum unterstützen. Das Projekt soll in Kooperation mit der deutschen Wirtschaft durchgeführt werden. Die deutschen Tierzüchter sind bereits seit längerer Zeit ein wichtiger Partner der marokkanischen Milcherzeuger. Über zwei Drittel aller Zuchtrinder in Marokko kommen aus Deutschland. Dem Exzellenzzentrum soll ein Ausbildungszentrum angeschlossen werden, das praxisorientierte Aus- und Weiterbildung für landwirtschaftliche Fachkräfte anbieten wird.
Der Parlamentarische Staatssekretär bei der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz, Dr. Gerd Müller unterstreicht die Wichtigkeit der Anstrengungen Marokkos zur Modernisierung der Landwirtschaft, die auch für deutsche Investoren von erheblicher Bedeutung sind. Er sieht außerdem das Potenzial zur deutlichen Steigerung des gegenseitigen Handelsvolumens in den nächsten Jahren.
Zusammenarbeit bei der Lebensmittelsicherheit und im Genossenschaftsbereich
2010 wurde bereits ein Abkommen über Zusammenarbeit im Bereich Lebensmittelsicherheit unterzeichnet. Staatssekretär Dr. Gerd Müller und der marokkanische Landwirtschaftsminister Aziz Akhannouch betonten, dass das Vertrauen in die Sicherheit von Lebensmitteln wesentliche Voraussetzung für die Ausweitung des bilateralen Agrarhandels sei. Auf dieser Grundlage wurde eine enge Kooperation zwischen der marokkanischen Lebensmittelsicherheitsbehörde ONSSA und dem deutschen Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit vereinbart. Gegenseitige Besuche der Leitungen beider Einrichtungen erfolgten im September 2010 in Berlin und im April 2011 in Rabat. Bei letztem Besuch wurde ein konkretes Arbeitsprogramm für die kommenden Monate erstellt.
Weiterhin vereinbarten beide Seiten die Erarbeitung einer Kooperation im Bereich des Genossenschaftswesens. Landwirtschaftsminister Akhannouch zeigte sich am System der deutschen Genossenschaften sehr interessiert, da das deutsche Modell durchaus gute Ansätze für Marokko biete. Deshalb unterzeichnete Minister Akhannouch im Januar 2011 während der Grünen Woche eine Erklärung zur Zusammenarbeit mit dem Deutschen Raiffeisenverband. Bereits im Oktober 2010 besuchten mehrere marokkanische Kooperativen landwirtschaftliche Genossenschaften in Deutschland.
Agrarfreihandelsabkommen der Europäischen Union mit Marokko
Deutschland unterstützt grundsätzlich das Ziel der Europäischen Union, im Rahmen des Assoziierungsabkommens der EU mit Marokko auch die schrittweise Liberalisierung des Handels mit landwirtschaftlichen Erzeugnissen, landwirtschaftlichen Verarbeitungserzeugnissen sowie Fisch und Fischereierzeugnissen zwischen der EU und Marokko auszubauen. Das Abkommen ist ein wichtiger Schritt zur weiteren Liberalisierung der Handelsbeziehungen.
Die Europäische Union ist mit jeweils 60 Prozent der Exporte und Importe der wichtigste Handelspartner Marokkos, gleichzeitig fallen 58 Prozent des Investitionsvolumens der EU im gesamten Euromed-Raum (Euro-Mediterranean Partnership) auf Marokko. Marokko ist damit bereits jetzt ein sehr wichtiger Markt für Exporte der EU und wird bei einem derzeitigen Wachstum von einem Prozent je Jahr in Zukunft noch wichtiger werden. Die EU-Ausfuhren beliefen sich im Zeitraum 2006 bis 2008 auf knapp 944 Millionen. Der Zugang zu einem benachbarten Markt mit starkem demografischen Wachstum vor dem Hintergrund einer für die Europäische Union überaus günstigen Gesamthandelsbilanz (Ausfuhren im Jahr 2009 im Wert von 12 gegenüber Einfuhren von 6,5 Milliarden Euro) verbesserte sich.
Das Abkommen stärkt insbesondere die Position deutscher und europäischer Exporteure bei Lebensmittelkonserven und Milcherzeugnissen. Den deutschen Interessen bei Obst und Gemüse (insbesondere Gurken) sowie bei Zucker wurde u.a. durch Ausnahmen bei der Liberalisierung und die Beibehaltung des Eintrittspreissystems Rechnung getragen.

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