Landwirtschaft und Klimawandel – eine zusätzliche Herausforderung für die Sicherung der Welternährung
Namensbeitrag von Bundesministerin Aigner:
Am 16. Januar 2010 treffen sich Agrarministerinnen und Agrarminister aus aller Welt sowie Verantwortliche aus Wirtschaft und Verbänden in Berlin, um im Rahmen des "Global Forum for Food and Agriculture" über "Landwirtschaft und Klimawandel – neue Konzepte von Politik und Wirtschaft" zu diskutieren. Damit spannen wir den inhaltlichen Bogen vom Agrarministergipfel im vergangenen Jahr, der Welternährungskonferenz in Rom und dem Klimagipfel in Kopenhagen bis zum diesjährigen Forum, das die beiden Mega-Themen des 21. Jahrhunderts Welternährung und Klimawandel in sich vereint.
Das Recht auf Nahrung für alle Menschen verwirklichen
Schon heute leidet jeder siebente Mensche an Hunger und Armut – eine Milliarde Menschen haben nicht genug zu essen. Nach Schätzungen der UN wird die Weltbevölkerung bis 2050 auf über neun Milliarden Menschen zunehmen. Die Produktion von Nahrungsmitteln wird bis dahin um mindestens 70 Prozent steigen müssen, um das Recht auf Nahrung für alle zu verwirklichen. Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen ist es, den Hunger in der Welt bis 2015 zu halbieren. Zugleich sind unsere natürlichen Ressourcen wie Boden und Wasser endlich. Das stellt Agrar- und Ernährungswirtschaft vor enorme Herausforderungen.
Die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten ist der Schlüssel zur Sicherung der Welternährung – aber mehr noch: sie ist Grundvoraussetzung für die Erhaltung des Friedens in der Welt.
Gleichzeitig beeinflusst die Veränderung des Weltklimas mit ihren sich schon heute abzeichnenden extremen Schwankungen der Wetterbedingungen die landwirtschaftliche Erzeugung. Außerdem beobachten wir, wie der Verlust landwirtschaftlicher Nutzflächen durch Urbanisierung und Infrastrukturmaßnahmen gerade in den Ländern, die ein starkes wirtschaftliches Wachstum aufweisen, weiter voranschreitet.
Es werden aber auch Erwartungen an die Agrarwirtschaft gerichtet, um einen aktiven Beitrag zum Klimaschutz und insbesondere zur Emissionsminderung zu leisten. Dazu gehört die Reduzierung der Methan- und Lachgasemissionen der Landwirtschaft und eine deutliche Verminderung der Umwandlung von Wald- in Agrarflächen. Zudem wird von der Landwirtschaft verlangt, die Biodiversität zu schützen, also aktiv zum Erhalt der Artenvielfalt und dem Schutz der genetischen Ressourcen beizutragen.
Ernährung sichern, Klima schützen, Ressourcen schonen
Man könnte schon fast sagen: die Landwirtschaft muss die Quadratur des Kreises schaffen, d.h. sie muss die Produktion deutlich ausweiten, um die Ernährung zu sichern, aber gleichzeitig ihren Beitrag zum Schutz des Klimas, der Ressourcen und der Biodiversität leisten. Wie soll das gehen?
Aus meiner Sicht kann den Ausweg aus diesem Dilemma kein Staat für sich alleine finden. Nur wenn wir national wie international alles daran setzen, die Erzeugung zu steigern und gleichzeitig die Ressourcen zu schonen, kann es uns gelingen, die nachhaltige Produktion einer für die steigende Weltbevölkerung ausreichenden Menge von Nahrungsgütern zu schaffen. Hier sind wir alle gefordert: Politik und Wirtschaft, Produzenten und Verbraucher, Forschung und Wissenschaft, Ausbildung und Beratung.
Das Nachhaltigkeitskonzept des BMELV
Das Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat sich mit seinem eigenem Nachhaltigkeitskonzept schon vor einem Jahr als erstes Ressort der Bundesregierung dieser Aufgabe gestellt.
Mehr Investitionen in Forschung und Innovationen für den Agrarbereich sind einer der Lösungsansätze, ein Schlüssel zu einer klimaeffizienteren landwirtschaftlichen Produktion. Das BMELV schließt sich deshalb auch der "Globalen Forschungsallianz zu Landwirtschaftlichen Treibhausgasen" an, die von der neuseeländischen Regierung in Kooperation mit den USA initiiert wurde. Durch die Doppelrolle der Agrarwirtschaft als Verursacher und Betroffener des Klimawandels spielt die Forschung eine zentrale Rolle bei der Adaption an den Klimawandel und Limitierung von Emissionen.
Das Global Forum for Food and Agriculture
Das "Global Forum for Food and Agriculture" ist der erste Schritt nach Kopenhagen und bietet den politischen Verantwortlichen eine Plattforum, um konkret und konstruktiv Interessen und Ideen über die die Zukunft der Landwirtschaft und ihre Herausforderungen auszutauschen.
Ergänzt wird das politische Zusammentreffen durch eine hochkarätiges Wirtschaftsveranstaltung. In verschiedensten Fachforen und auf dem internationalen Wirtschaftspodium "Limited Ressources – Managing a Turbulent Future" werden neue Konzepte für Land- und Ernährungswirtschaft und Klimaschutz in verschiedenen Aspekten auf der Ebene der dortigen Entscheidungsträger detailliert erörtert.
Die gemeinsamen Schlussfolgerungen der anwesenden Agrarministerinnen und Agrarminister sollen in den darauf folgenden Monaten in die Arbeit der internationalen Gremien eingespeist werden. .

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