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Aus "Berichte über Landwirtschaft"
Heft 1, Mai 2008, Band 86

Stellungnahme zur Mitteilung der Kommission an den Rat und das Europäische Parlament
Vorbereitung auf den "GAP-Gesundheitscheck" – verabschiedet am 28. März 2008

Wissenschaftlicher Beirat für Agrarpolitik beim Bundesministerium für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz 1)

Am 20. November 2007 hat die Europäische Kommission ihre Vorstellungen zur Weiterentwicklung der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) im Rahmen des sogenannten Gesundheitschecks vorgelegt, zu denen der Wissenschaftliche Beirat für Agrarpolitik Stellung nimmt. Die Stellungnahme bezieht sich auf die Weiterentwicklung der Betriebsprämienregelung, die Umgestaltung und Anpassung von Marktstützungsinstrumenten sowie auf neue Herausforderungen für Landwirtschaft und ländliche Räume. Der Beirat ist mit der Kommission der Meinung, dass die Umgestaltung der GAP in den letzten Jahren, weg von der protektionistischen Preispolitik und hin zu einer Politik für ländliche Räume, in die richtige Richtung geführt hat. Die Kommissionsvorschläge im Gesundheitscheck sind nach Meinung des Beirats ein Balanceakt zwischen notwendigen und möglichen Änderungsprozessen. Die entscheidende Frage ist, wie die Agrarpolitik nach 2013 in ihren Grundsätzen aussehen wird.

1)Mitglieder des Beirats: Prof. Prof. Dr. FOLKHARD ISERMEYER (Vorsitzender). Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Braunschweig; Prof. Dr. Dr. ANNETTE OTTE (Stellvertretende Vorsitzende), Universität Gießen; Prof. Dr. OLAF CHRISTEN, Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg, Prof. Dr. STEPHAN DABBERT, Universität Hohenheim; Prof. Dr. KLAUS FROHBERG, Universität Bonn; Prof. Dr. ULRIKE GRABSKI-KIERON, Westfälische Wilhelms-Universität Münster; Prof. Dr. JÖRG HARTUNG, Tierärztliche Hochschule Hannover; Prof. Dr. Dr. h.c. ALOIS HEIßENHUBER, Technische Universität München, Prof. Dr. JÜRGEN HEß, Universität Kassel, Prof. Dr. Dr. h.c. DIETER KIRSCHKE, Humboldt-Universität Berlin; Prof. Dr. PETER MICHAEL SCHMITZ, Universität Gießen; Prof. Dr. ACHIM SPILLER, Universität Göttingen; Prof. Dr. ALBERT SUNDRUM, Universität Kassel; Prof. Prof. Dr. CARSTEN THOROE, Johann Heinrich von Thünen-Institut (vTI), Braunschweig

Möglichkeiten und Grenzen der Beeinflussung des allergenen Potenzials von Kulturpflanzen durch Pflanzenzüchtung

Von Marc Zahn und Frank Ordon, Quedlinburg

Lebensmittelallergien werden häufig durch pflanzliche Produkte hervorgerufen. Inwieweit es möglich ist, pflanzliche Allergene durch züchterische Maßnahmen und biotechnologische Methoden zu reduzieren, ist Gegenstand dieses Beitrages. Allergene sind, wie in fast allen Nutzpflanzen, auch in ackerbaulichen Kulturen zu finden. In aller Regel handelt es sich bei pflanzlichen Allergenen um Proteine. Mittels Sequenzanalysen lassen sich diese allergenen Proteine in wenige übergeordnete Genfamilien eingruppieren. Für die Anforderungen der Züchtung ist es sinnvoll, allergene Proteine bezüglich ihrer Funktion in der Pflanze einzuordnen, um entscheiden zu können, ob eine züchterische bzw. biotechnologische Reduzierung ohne nennenswerte Ertrags- oder Qualitätseinbußen prinzipiell möglich ist.

Bei Typ-I-Allergien gegen Weizenproteine, wie dem Bäckerasthma und anderen allergischen Reaktionen, spielen alpha-Amylase-Inhibitoren eine herausragende Rolle. Im Rahmen dieses Beitrages wird eine Strategie zur züchterischen Reduktion des durch alpha-Amylase-Inhibitoren bedingten allergenen Potenzials des Weizens vorgestellt, welche auf der Erfassung der allelischen Diversität und des Expressionsniveaus in einem Weizentestsortiment gefolgt von immunologischen Untersuchungen und der Entwicklung molekularer Marker basiert.

Auskreuzungsstudien bei Mais: Überblick, Bewertung, Forschungsbedarf

Von Maren Langhof und Gerhard Rühl, Braunschweig

In diesem Literaturreview werden alle derzeit vorliegenden Studien zur Auskreuzung von Mais berücksichtigt. Sie werden hinsichtlich ihrer Eignung für die Ableitung von Maßnahmen zur Sicherstellung der Koexistenz von gentechnisch verändertem (gv-) Mais und nicht gentechnisch verändertem (ngv-) konventionell sowie ökologisch erzeugtem Mais kategorisiert und bewertet. Die wesentlichen Ergebnisse aus insgesamt 45 ausgewerteten Studien werden tabellarisch dargestellt. Als Quellen werden sowohl wissenschaftliche Zeitschriften, Projektberichte und Kurzfassungen in Tagungsbänden als auch im Internet verfügbare Präsentationen von Workshops oder Konferenzen herangezogen.

Die Studien zeigen, dass verschiedene Maßnahmen zur Verringerung der Auskreuzung geeignet sind. Hierzu gehören zum Beispiel (i) die Einhaltung eines Abstands von 50 bis 100 m zwischen gv- und ngv-Mais, (ii) die Nutzung einer Maismantelsaat, (iii) die separate Ernte der ersten dem gv-Schlag zugewandten Reihen des ngv-Feldes sowie (iv) in Südeuropa zusätzlich eine Blühzeitverschiebung beispielsweise durch versetzte Saattermine von gv- und ngv-Mais. Bestehende Forschungsdefizite bei der Auskreuzung von Mais werden benannt.

Die Aussagen der Studien zur Wirksamkeit unterschiedlicher Koexistenzmaßnahmen lassen sich nur sehr bedingt verallgemeinern. Ursachen sind vielfach unvollständige oder fehlende Angaben zu den die Auskreuzung maßgeblich beeinflussenden Parametern, insbesondere Windrichtung und Blütezeit, sowie teilweise nicht optimale Feldversuchsanlagen und fehlende Wiederholungen. Deshalb sind als Grundlage für die Erstellung von Rechtsvorschriften zur Koexistenz spezielle Versuchsansätze, einschließlich der Erhebung aller auskreuzungsrelevanten Parameter, zur Quantifizierung der Wirksamkeit einzelner Maßnahmen erforderlich, deren Ergebnisse in Prognosemodelle einfließen können.

Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus in Österreich nach der Reform der EU-Zuckermarktordnung

Von Leopold Kirner, Wien

Am 24. November 2005 einigte sich der Agrarministerrat der Europäischen Union auf eine grundlegende Reform der Zuckermarktordnung. Unter anderem wird der Referenzpreis für Zucker in zwei Schritten um 36 Prozent, der Mindestpreis für Zuckerrüben in vier Schritten um 39,4 Prozent gesenkt. Vor diesem Hintergrund analysiert die vorliegende Arbeit die Wettbewerbsfähigkeit des Zuckerrübenanbaus nach dieser Reform und untersucht die ökonomischen Folgen der Reform für Zuckerrübenbetriebe in Österreich. Nach den vorliegenden Ergebnissen reduziert sich der Deckungsbeitrag je ha um durchschnittlich 50 Prozent. Trotzdem wird der Zuckerrübenanbau in Österreich kaum abnehmen, weil der Anbau der Zuckerrübe bis auf wenige Ausnahmen auch nach der Reform deutlich wettbewerbsfähiger bleibt als der Anbau konkurrierender Mähdruschfrüchte.
Schlagworte: Zuckerrüben, Wettbewerbsfähigkeit, Europäische Union, Deckungsbeitrag, Einkünfte aus Land- und Forstwirtschaft.

Ein Indikatoransatz zur Bewertung der Nachhaltigkeit von intensiv genutzten Grünlandbeständen

Von Katharina Treyse, Michael Kelm, Hela Mehrtens und Friedhelm Taube, Kiel

Die Erhaltung von Dauergrünland stellt im Rahmen von Cross Compliance ein zentrales Ziel in der Agrar- und Umweltpolitik der EU dar, das durch hohe Anforderungen an die gute fachliche Praxis ergänzt wird. Dies setzt eine nachhaltige Bewirtschaftung voraus, um die Degradierung von Grünlandbeständen und in der Konsequenz einen Grünlandumbruch und damit verbundene negative ökologische Effekte zu verhindern.

Ziel der vorliegenden Studie ist es, einen Indikatoransatz zur Abschätzung des Leistungs- und Qualitätspotenziales zur Nachhaltigkeitsbewertung von intensiv genutztem Grünland, das vornehmlich als Grundfutter für die Produktionsrichtung Milch dient, zu formulieren und diesen auf seine Praxistauglichkeit zu testen. An die Auswahl der Indikatoren wurden die Anforderungen einer einfachen Datenerhebung verbunden mit geringen Kosten, eine einfache Umsetzbarkeit (Benutzerfreundlichkeit) in der Praxis und die Reproduzierbarkeit gestellt.

Der hier präsentierte Indikatoransatz berücksichtigt Parameter der botanischen Bestandszusammensetzung, des Ertrages und der Futterqualität sowie den Leguminosenanteil, den Rohprotein-Gehalt und die Bodennährstoffversorgung. Anhand von Bewertungsfunktionen werden die formulierten Indikatoren quantifiziert und dienen anschließend dazu, eine Schwachstellenanalyse der Grünlandbewirtschaftung durchzuführen und damit Problemfelder zu identifizieren. Ferner kann durch eine aggregierte Gesamtbewertung ein Vergleich der Nachhaltigkeit verschiedener Systeme durchgeführt werden.

Zur Prüfung der praktischen Anwendbarkeit dienten drei Untersuchungsregionen (Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Gumpenstein) als Datengrundlage. Es zeigt sich, dass die aufgestellten Indikatoren zur Nachhaltigkeitsbewertung auf intensiv konventionell und ökologisch bewirtschafteten Flächen geeignet sind, jedoch bei extensiver Grünlandnutzung ergänzend Indikatoren im Sinne der Multifunktionalität des Grünlandes formuliert werden müssen.

Vertikale Kooperationen in der Agrar- und Ernährungswirtschaft – Herausforderungen für das Management

Von Jon H. Hanf, Halle (Saale) und Kirsti Dautzenberg, Potsdam

In der jüngeren Vergangenheit konnte in der Praxis beobachtet werden, dass sich die Koordinationsmechanismen entlang der Wertschöpfungskette im Agrar- und Ernährungsgewerbe derartig verändert haben, dass der Austausch über Spotmärkte durch die Bildung von Kettensystemen sowohl ergänzt als auch substituiert wurde. Ziel dieses Artikels ist es, die daraus resultierenden Systeme zu untersuchen und die sich ergebenden Konsequenzen für das Agri-Food Business und speziell für das Management dieser Unternehmensorganisationen zu skizzieren.

Schlüsselwörter: Netzwerke, Strategisches Management, Unternehmenskooperationen, Vertikalisierung

Regionale Impulse durch ökologischen Landbau – Potenziale für periphere ländliche Räume am Beispiel von Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern

Von Martina Schäfer, Benjamin Nölting, Berlin und Astrid Engel, München

Die peripheren ländlichen Räume Ostdeutschlands stehen aufgrund der mangelnden Vielfalt ökonomischer Strukturen und damit verbundener Abwanderung vor großen Herausforderungen. Entgegen diesen Entwicklungstrends hat sich der ökologische Landbau in den neuen Bundesländern seit der Wiedervereinigung sehr dynamisch entwickelt. Auf der Basis von zwei Untersuchungen in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern wird dargestellt, welche Potenziale dieser Wirtschaftszweig für eine nachhaltige Entwicklung ländlicher Räume aufweist.

Von dem Projekt "Regionaler Wohlstand neu betrachtet" liegen Ergebnisse dazu vor, welche sozialen, ökologischen und kulturellen Leistungen die Betriebe der Produktion, Verarbeitung und Vermarktung von Bio-Produkten erbringen. Das Projekt "Von der Agrarwende zur Konsumwende" hat sich einer intensiveren Betrachtung der Akteure, ihrer Motive und Strategien gewidmet und eine Typologie der landwirtschaftlichen Öko-Betriebe vorlegt. Basierend auf diesen Ergebnissen können Schlussfolgerungen gezogen werden, welche Rolle der Öko-Landbau für die weitere Entwicklung peripherer Gebiete spielen kann und wie die vorhandenen Potenziale durch Politik und Verwaltung, aber auch von dem Wirtschaftszweig selber ausgeschöpft werden können.

Ökonomische und umweltrelevante Potenziale der Herstellung und Nutzung von Polymilchsäure aus nachwachsenden Rohstoffen als Ersatz für Kunststoffe aus petrochemischer Herstellung

Von Andreas Meyer-Aurich, Joachim Venus, Potsdam und Olivier Jolliet, Ann Arbor

Die Nutzung nachwachsender Rohstoffe zur Herstellung von Polymilchsäure (PLA) als Ersatzrohstoff zur Herstellung von verschiedenen Kunststoffen bietet große umweltrelevante Potenziale hinsichtlich der Einsparung fossiler Energie und der Emission von treibhausrelevanten Gasen. Die auf der Basis von Literaturauswertungen erfolgte Analyse zeigt, dass bisher verfügbare Produkte aus PLA nicht in jedem Fall deutliche Vorteile in den genannten Umweltkategorien sicherstellen können. Vielmehr muss im Einzelfall geprüft werden, welcher Energieeinsatz bzw. welche treibhausrelevanten Emissionen bei dem Ersatz von herkömmlichem Kunststoff zu erwarten ist. Ökobilanzen stellen eine wertvolle Methodik zur Kommunikation dieser Umwelteffekte dar. Für die Herstellung von Kunststoffen aus PLA sind hierfür schon eine Reihe Studien veröffentlicht. Dennoch sind viele den Bewertungen zugrunde liegenden Annahmen nicht transparent genug, um einen wissenschaftlichen Diskurs zu ermöglichen.

Kunststoffe auf der Basis von PLA sind unter derzeitigen Kostenverhältnissen noch deutlich teurer als petrochemische Vergleichsprodukte. Dennoch werden Kunststoffen aus PLA aufgrund ihrer spezifischen Eigenschaften und der Umweltwirkungen große Marktwachstumspotenziale zugeschrieben. Dies unterstreicht die Bedeutung der mit der Nutzung von PLA-Kunststoffen verbundenen Umweltwirkungen. Eine transparente Darstellung der Umweltwirkungen des Einsatzes von PLA-Kunststoffen ist Voraussetzung für eine effiziente Ausrichtung von Politiken und für eine effiziente Ressourcennutzung insgesamt.

Genossenschaften im Wandel der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft

Von Jon Hanf, Halle (Saale), und Rainer Kühl, Gießen

Genossenschaften sind traditionell ein wichtiger Bestanteil der deutschen Agrar- und Ernährungswirtschaft. Somit werden die Veränderungen des Agri-Food Business wiederum Auswirkungen auf das deutsche Genossenschaftswesen haben. Derzeit zeigt sich, dass in der Agrar- und Ernährungswirtschaft vertikal kooperierende Systeme entstehen. Innerhalb solcher strategischen Netzwerke koordiniert ein fokales Unternehmen die einzelnen Aktionen der beteiligten Unternehmen. Da das fokale Unternehmen als Garant für die unternehmensübergreifende Qualität der Lebensmittel angesehen wird, muss es die gesamte Wertschöpfungskette überwachen und gegebenenfalls Änderungen anweisen können.

Allgemein haben wir festgestellt, dass die Majorität der Genossenschaften Schwierigkeiten haben werden, den Anforderungen eines fokalen Unternehmens gerecht zu werden. Jedoch die Ausgestaltung der Rolle von Genossenschaften unterscheidet sich zwischen den verschiedenen Genossenschaften erheblich. Während die Genossenschaften, welche im Lebensmitteleinzelhandel tätig sind, für ihre Handelsmarken die Führung der strategischen Netzwerke übernehmen werden, beschränkt sich die Rolle der meisten Raiffeisen-Genossenschaften auf die Rolle eines Lieferanten eines Supply Chain Networks.

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