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"Wettlauf in die Zukunft – Verfügbarkeit, Vermarktung, Verarbeitung von Holz"

5. Internationaler Kongress der Säge- und Holzindustrie 2010

Datum:
08.02.10
Ort:
Rosenheim
Redner:
Bundesministerin Ilse Aigner

Es gilt das gesprochene Wort!

Anrede,

Sie hätten für diesen Kongress keinen besseren Ort finden können. Das sage ich nicht nur aus Verbundenheit zu meiner waldreichen bayerischen Heimat. Das gilt vor allem, weil Rosenheim wie nur wenige andere Städte für das Thema Holz steht. Durch seine Hochschule mit den Fachbereichen Holz und Holztechnik ist Rosenheim in der Branche nahezu weltweit bekannt. Überdies wirbt Rosenheim durch seine Lage an den Verkehrsachsen München-Innsbruck-Salzburg und seine Nähe zu Österreich und Italien für den Handel über Grenzen hinweg – und damit für einen Faktor, der auch für die Holzwirtschaft in Deutschland und Europa immer wichtiger wird.

Forst und Holz sind Themen, die viele Bürgerinnen und Bürger interessieren. Sei es als einer der etwa zwei Millionen Waldbesitzer allein in Deutschland, sei es als Erholungssuchender oder Verbraucher, sei es als Sägewerksbetreiber.

Der Bereich Forst und Holz ist daher auch ein wichtiges Arbeitsgebiet der Bundesregierung, das sich wie kaum ein anderes durch die enge Verflechtung von Ökologie und Ökonomie auszeichnet. Das macht den besonderen Reiz der Forstpolitik aus, steht aber zugleich auch für besondere Herausforderungen.

Denn ob es um den Schutz von Lebensräumen oder um die Bereitstellung des immer wichtiger werdenden Rohstoffs Holz geht: Forstpolitik ist immer auch Gesellschaftspolitik. Forstpolitik und natürlich auch die gesamte Wertschöpfungskette Forst und Holz haben sich immer mit gesellschaftlichen Ansprüchen auseinanderzusetzen.

Ich nenne nur beispielhaft:

  • den schonenden Umgang mit unseren natürlichen Ressourcen,
  • den Beitrag zum Klimaschutz,
  • den Anteil an der Sicherung unserer nationalen Energieversorgung im 21. Jahrhundert und nicht zuletzt
  • die Wertschöpfung für den Waldbesitzer und damit die Versorgung der Wirtschaft mit Rohholz.

Diese Ansprüche erfolgreich zusammenzubringen: das ist Kennzeichen guter Politik. Neben den gesellschaftlichen Ansprüchen müssen wir uns aber auch des wirtschaftlichen Umfeldes bewusst sein, in dem sich die Forstpolitik bewegt.

Meine Damen und Herren, der Klimaschutz ist eines der zentralen Arbeitsgebiete der Bundesregierung. Das gilt national und international.

Das Ergebnis von Kopenhagen ist zuallererst ein klarer Auftrag, nicht nachzulassen und weiter zu arbeiten. Dabei ist die Branche ein natürlicher Verbündeter unserer Klimaschutzpolitik. Nirgendwo ist die Nachhaltigkeit so fest verankert wie bei Ihnen und wird für das erfolgreiche Wirtschaften zukünftig immer wichtiger. Sie ist die Ökonomie des 21. Jahrhunderts.

Was müssen wir tun, um diese Vorteile von Wald und Holz zukünftig noch besser nutzen zu können? Welche Entwicklungen prägen den Holzbedarf?

Nachwachsenden Rohstoffen kommt in einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten gesellschaftlichen Entwicklung eine zentrale Bedeutung zu. Sowohl im stofflichen als auch im energetischen Bereich ist von einer weiter wachsenden Nachfrage nach Holz auszugehen. Gerade in Deutschland ist der Wald die bedeutendste Quelle für nachwachsende Rohstoffe.

In der Vergangenheit lag die Nachfrage nach Holz deutlich unter dem jährlichen Zuwachs des Waldes. Diese Situation wird sich grundlegend ändern. Daraus erwachsen Chancen für Waldbesitzer und Gesellschaft, aber auch Konflikte zwischen verschiedenen Interessengruppen.

Im Koalitionsvertrag haben wir uns klar zum Rohstoff Holz bekannt. Wir wollen die Charta für Holz weiterentwickeln.

Darüber hinaus erarbeiten wir derzeit unsere Waldstrategie 2020. Ziel ist es, eine neue tragfähige Balance zwischen den steigenden Ansprüchen an den Wald und seiner nachhaltigen Leistungsfähigkeit zu finden, kurz: Mit der Waldstrategie 2020 wollen wir den Zukunftswald für die kommenden Generationen definieren, entwickeln und sichern.

Dabei sehe ich drei wesentliche Teilziele, die wir erreichen müssen:

  1. Der Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz soll gesichert und gesteigert werden.
  2. Die wirtschaftliche Grundlage der Forstbetriebe soll gesichert und die Rahmenbedingungen für eine hinreichende Holzversorgung der Wirtschaft sichergestellt werden.
  3. Die Funktionen des Waldes zum Erhalt unserer natürlichen Umwelt sollen gestärkt und effizienter ausgestaltet werden. Gleichzeitig wollen wir den Erholungswert des Waldes erhalten.

Lassen Sie mich zunächst zum ersten Teilziel kommen, dem Beitrag der Forst- und Holzwirtschaft zum Klimaschutz.

Auf der einen Seite stehen die notwendigen Anpassungen im Baumartenspektrum und zerstörerische Wetterextreme Auf der anderen Seite stehen bei der Holznutzung und im Baum selbst die CO2-Bindung sowie die erneuerbare Energie Holz selbst. Forst- und Holzwirtschaft sind in Bezug auf den Klimawandel Leidtragende und Retter zugleich.

Die nachhaltig nutzbaren Potenziale unseres Waldes für den Klimaschutz müssen aber noch besser erschlossen und dauerhaft gesichert werden.

Auch die Klimakonferenz in Kopenhagen hat erneut aufgezeigt: wie wichtig die Erhaltung und die nachhaltige Bewirtschaftung der Wälder sowie die effektive Nutzung von Holz ist. Beides leistet einen erheblichen Beitrag für das Weltklima.

Wir setzen uns daher für die Einrichtung eines Wald-Klima-Fonds ein. Die Gespräche mit den übrigen Resorts der Bundesregierung hierzu laufen. Wir wollen – nach Möglichkeit mit Unterstützung aus dem Fonds - die Leistungen der deutschen Forst- und Holzwirtschaft für den Klimaschutz verstärken und die Wälder fit für den Klimawandel machen. Dazu könnte der Waldklimafonds eine Möglichkeit sein..

Drei Ziele stehen dabei im Vordergrund:

  1. Wir wollen die Kohlenstoffvorräte sichern. Dazu gehört die Anpassung der Wälder an den Klimawandel, die Verminderung von Waldverlusten und Sicherungsmaßnahmen für CO2-Speicher.
  2. Wir wollen das CO2-Speicherpotenzial durch eine noch stärkere Holzverwendung ausbauen und dadurch energieaufwändigere Baustoffe ersetzen. Zugleich bringen wir auch die energetische Nutzung von Holz weiter voran.
  3. Wir wollen mit einer verstärkten Forschung zum Beispiel die Auswirkungen des Klimawandels auf den Wald besser verstehen lernen.

Ein weiterer Schwerpunkt der Waldstrategie 2020 ist die Stärkung der Forstbetriebe und der Versorgung der Wirtschaft mit dem Rohstoff Holz.

Die nachhaltige Nutzung des Rohstoffes Holz ist ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für den ländlichen Raum und eine wesenliche Grundlage für leistungsfähige und wettbewerbsfähige Holzwirtschaft. Das unterstütze ich.

Denn im Cluster Forst und Holz sind allein in Deutschland 1,2 Millionen Menschen beschäftigt. Sie erzielen einen Jahresumsatz von 160 Milliarden Euro.

Dieses Potenzial wollen wir weiterentwickeln. Dafür brauchen wir weitere Anstrengungen im Bereich Forschung und Innovation. Dafür steht die Branche schon jetzt.

Neue Werkstofftechnologien und konsequente Kaskadennutzung: Ressourceneffizienz war schon immer ein wesentliches Merkmal der Holzindustrie. Die Innovationsfreude der Branche zeigt sich deutlich in der zunehmenden Technisierung.

Meine Damen und Herren, zum Handwerk gehört auch das Klappern. Bei der Waldstrategie heißt das Werben für einen nachhaltigen, innovativen und vielfältigen Rohstoff: Holz.

Mit dem Thema Werbung ist die zentrale Absatzförderung untrennbar verbunden. Ich war über das Urteil des Bundesverfassungsgericht nicht glücklich. Denn die Auflösung des Holzabsatzfonds hinterlässt eine große Lücke. Das gilt gerade jetzt, wo es darum geht, die Bedeutung von nachhaltiger Waldbewirtschaftung und verstärkter Holzverwendung für den Klimaschutz noch stärker in die Öffentlichkeit zu tragen.

Daher hat es mich sehr gefreut, dass die Branche frühzeitig begonnen hat, über freiwillige privatwirtschaftliche Alternativen nachzudenken. Dabei stand für mich von Anfang an fest, dass wir Sie auf diesem Weg unterstützen. Es hat sich in den letzten Wochen gezeigt, dass es gar nicht so einfach ist, die gesamte Branche mit ihren verschiedenen Interessen zusammenzubringen. Dadurch haben Sie es geschafft, erste Teilprojekte zur Erhaltung einer Holzabsatzförderung zu starten

Ich nenne hier nur

  • die Holzbaufachberatung,
  • die Holzmarktberichterstattung aber auch
  • die Beteiligung an dem sehr gelungenen Auftritt der Forst- und Holzwirtschaft auf der Grünen Woche - Stichwort: Nature-Tec.

Ich appelliere an Sie: Machen Sie so weiter, lassen Sie nicht nach beim Aufbau einer schlagkräftigen Absatzförderungsorganisation. Sie haben es in der Hand! Es muss allen Beteiligten klar sein: Absatzförderung ist zuallererst Aufgabe der Wirtschaft. Deshalb danke ich allen Beteiligten für Ihr bisheriges Engagement in diesem Zusammenhang!

Ich darf Ihnen aber versichern: Ich werde Sie im Rahmen meiner Möglichkeiten auch weiterhin unterstützen. Wenn es darum geht, eine effiziente und zukunftsfähige freiwillige Absatzförderung auf die Beine zu stellen, stehe ich an Ihrer Seite.

Meine Damen und Herren, die gewünschte Steigerung der Holznutzung kann aber auch zu Zielkonflikten mit anderen gesellschaftlichen Anforderungen an den Wald führen. Damit wäre ich beim dritten Teilziel der Waldstrategie 2020: Dem Erhalt und der effektiven Nutzung der Umweltfunktionen des Waldes.

Mit der nationalen Strategie zur Biologischen Vielfalt strebt Deutschland an, bis 2020 einen Flächenanteil der Wälder mit natürlicher Waldentwicklung von fünf Prozent zu erreichen. Gleichzeitig erschweren umweltpolitische Grundsatzentscheidungen auf EU-Ebene die Arbeit des Wirtschafters vor Ort.

Zum Ausgleich der gesellschaftlichen Interessen muss zukünftig auch die Ausgestaltung des Naturschutzes optimiert werden, um andere Ziele nicht zu stark zu beeinträchtigen. Es geht nicht um weniger Naturschutz – es geht um effektiveren Naturschutz. Das bedeutet, auch Wege abseits der Käseglocke zu gehen. Denn Natur verändert sich mit der Zeit, auch ohne Zutun des Menschen.

Nicht die Konservierung eines Zustandes, sondern die Akzeptanz eines fließenden Gleichgewichtes im wechselnden kleinräumigen Mosaik muss unser Ziel sein.

Dabei kann zum Beispiel der Vertragsnaturschutz eine zunehmend wichtige Rolle spielen: Ein Vertragsnaturschutz, der sich am Ziel orientiert, zum Beispiel den Seeadler in der Region zu erhalten und darauf verzichtet, für jeden einzelnen Baum vorzuschreiben, wie er zu behandeln ist.

Und wenn sich Naturschutz für den Grundeigentümer lohnt, das heißt, er einen finanziellen Ausgleich für seine Naturschutzleistung erhält, dann wird es effektiven Naturschutz geben, ganz ohne Verordnung.

Meine Damen und Herren, Steigerung der Holzverwendung unter Berücksichtigung anderer gesellschaftlicher Ansprüche, das sind unsere Leitlinien.

Das kommende internationale Jahr der Wälder ist ein guter Anlass. Schon jetzt arbeiten wir gemeinsam mit Ländern und Verbänden an der bundesweiten Waldkampagne 2011.

Ich freue mich besonders darüber, dass unser Bundespräsident Horst Köhler auf meine Bitte hin die Schirmherrschaft über unsere Aktivitäten zum Internationalen Jahr der Wälder übernommen hat.

Lassen Sie uns diese Plattform gemeinsam nutzen, lassen Sie uns weiterhin gemeinsam eintreten für Wald und den nachwachsenden Rohstoff Holz,
für Forstwirtschaft und Holzwirtschaft.

In diesem Sinne wünsche ich Ihnen persönlich, Ihren Unternehmen und dem gesamten Kongress weiterhin viel Erfolg.

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Am 19. Januar 2012 hat Bundesministerin Ilse Aigner die "Charta für Landwirtschaft und Verbraucher" vorgestellt.

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