Bilaterale Freihandelsabkommen
Angesichts des eher zögerlichen Verlaufs der WTO-Verhandlungen richten sowohl die EU als auch ihre wichtigsten Handelspartner den Blick verstärkt auf die Verhandlung bilateraler und regionaler Freihandelsabkommen.
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Diese werden aus europäischer und deutscher Sicht nicht als Alternative, sondern ergänzend zu den WTO-Verhandlungen verfolgt, da der Abschluss der Doha-Runde und eine Stärkung des multilateralen Handelssystems weiterhin Priorität hat. Allerdings ist es für die EU unerlässlich, zeitnah Fortschritte auch in den bilateralen Verhandlungen um Freihandelsabkommen zu erzielen, da ansonsten europäischen und deutschen Exporteuren Nachteile gegenüber ihren Wettbewerbern drohen. Außerdem bieten bilaterale Abkommen die Chance, bestimmte Themen aufzugreifen, die im multilateralen Rahmen (noch) nicht durchsetzbar sind. Die EU versucht etwa, auch Umwelt- und Sozialregelungen in ihre bilateralen Abkommen zu integrieren.
Die EU hat bereits eine Vielzahl bilateraler Verträge mit handelsrelevanten Regelungen geschlossen, die sich hinsichtlich ihres Liberalisierungsgrades unterscheiden. Ein regionaler Fokus lag bisher vor allem auf Nachbarländern der EU, Mittelmeeranrainern und ehemaligen Kolonien von EU-Mitgliedstaaten (Gruppe der afrikanischen, karibischen und pazifischen Staaten - AKP-Staaten). Derzeit richten sich die Anstrengungen der EU verstärkt auf Wachstumsmärkte in Asien und Lateinamerika. Die Hauptwettbewerber der EU (unter anderem die USA) drängen ebenfalls mit Hilfe bereits abgeschlossener oder angestrebter bilateraler Abkommen auf diese Märkte.
Weltweite Verhandlungen
2010 ist ein Freihandelsabkommen zwischen der EU und Südkorea in Kraft getreten. Weiterhin laufen derzeit unter anderem wichtige Verhandlungen der EU über Freihandelsabkommen mit Indien, der Ukraine, Kanada und den Staaten des Golfkooperationsrates (wie Saudi Arabien). Mit einigen Mittelmeeranrainern in Nordafrika und im Nahen Osten wurden und werden die Agrarprotokolle neu verhandelt. Die Europäische Union beabsichtigt hier den fortschreitenden Demokratisierungsprozess durch den beschleunigten Abbau noch vorhandener Handelshemmnissen zu stützen. Auch die Wirtschaftspartnerschaftsabkommen (EPAs) der EU mit den AKP-Staaten (ebenfalls Freihandelsabkommen) sind in einer entscheidenden Verhandlungsphase. Die bislang schwierigen Verhandlungen eines Freihandelsabkommens der EU mit den Mercosur-Staaten in Lateinamerika könnten angesichts der stockenden WTO-Verhandlungen wieder eine stärkere Dynamik entfalten. Verhandlungen mit Russland werden von der EU angestrebt, setzen aber unter anderem den WTO-Beitritt Russlands voraus.
In all diesen Verhandlungen beabsichtigt die EU eine umfassende Handelsliberalisierung, die zu WTO-kompatiblen Freihandelsabkommen führen soll. Das heißt Zölle und andere Handelsbeschränkungen müssen "im Wesentlichen [für] den gesamten Handel" beseitigt werden. Die Abkommen umfassen damit grundsätzlich auch den Agrarsektor.

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